Am Trapez vollführt Zhanna waghalsige Aktionen. Gebannt blicken zig Augenpaare nach oben. Zirkusdirektor Dominik Gasser hält höchstpersönlich das Sicherungsseil. Als Zuschauer ist man froh, gibt es diese letzte Absicherung. Denn als sich die Artistin aus dem Schwung heraus aufs Trapez setzt, droht sie beinahe abzurutschen und fängt sich erst im letzten Moment auf.

In der Luft liegt noch der Geruch von den zuvor durch die Manege galoppierten Pferde. Der Circus GO, vormals Gasser Olympia, ist ein traditioneller Schweizer Zirkus mit vielen internationalen Künstlern. Tiger, Löwen, oder andere Exoten hält er aber keine. Einzige Tiere im diesjährigen Saisonprogramm sind vier braune Araber. Und selbst für diese ist die Manege beinahe zu klein. Während einer Pirouette zertrümmert eines der Pferde die Abdeckung des Manege-Rands. Sie seien nervös gewesen, erklärt Gasser später. Die Vorpremiere gestern in Buchsi war die erste Vorführung mit der neuen Lichtstimmung.

Spiel mit dem Feuer

Auch ohne weitere Vierbeiner gibt es Abwechslung in der Manege. Nicht zuletzt dank der beiden Clowns Miki und Orlik. Mal tauchen sie mit rohen Hühnereiern auf, dann vertieft in einen Boxkampf und mit Wasser als Munition. Zur grossen Überraschung können sie sogar hervorragend musizieren. Einer der Clowns zaubert immer wieder ein neues Instrument aus seinen Pluderhosen, mal eine Mundharmonika, dann ein Piccolo und zuletzt noch eine Klarinette.

Auch eine klassische Jonglagennummer bietet der Circus GO. Andreas Martines macht auf Tempo und verliert ob der hohen Geschwindigkeit leider doch die eine oder andere Keule. Bei seiner anderen Nummer balanciert er dafür umso brillanter Gläser auf einem nur mit dem Mund gehaltenen Messer und angesichts der Pyramide bleibt die Frage, wie man so viele Muskeln im Kiefer haben kann. Lioudmila überrascht mit ihrer Darbietung. Auf dem Rücken liegend balanciert sie Rollen, Bälle und Reifen –am liebsten alles miteinander. Auch das Spiel mit dem Feuer wagt sie und lässt, ebenfalls auf dem Rücken liegend, eine Stange mit brennenden Enden auf den Füssen immer schneller kreisen.

Muskelkraft und Tempo

In einem Zirkus ist jeweils wunderschön zu erleben, was mit purer Muskelkraft möglich ist. So auch im Zirkus GO: von der Akrobatik-Nummer am Boden bis zu schwungvollen Kunststücken an seidenen Tüchern und am Vertikalseil. Besonders beeindruckt Anessa. Die Schlangenfrau biegt ihren Körper auf einem Podest stehend in die unmöglichsten, aber eben irgendwie doch möglichen, Positionen. Schon fürchtet man, sie bleibe verknotet, doch jedes Mal windet sich die anmutige Athletin wieder zur vollen Grösse empor.

Rasanter verläuft die Velo-Akrobatik-Nummer. Das Trio schafft es trotz Sägemehl auf den Platten, das Gleichgewicht nicht zu verlieren und überrascht mit schnellen Kurven, gewagten Manövern und raschen Formationsänderungen. Selbst Seilhüpfen mit dem Einrad ist kein Ding der Unmöglichkeit. Verführend mit diesen abwechslungsreichen Nummern gelingt es dem Circus GO, die Zuschauer selbst in der heutigen reizüberfluteten Zeit, ins Staunen zu versetzen.

Weitere Vorstellung heute Mittwoch, 14.30 Uhr, Vorpremiere Frohburgareal Herzogenbuchsee. Zudem wieder in der Region: 25.–28. Mai in Wolfwil, 18.–20. Juni in Alchenflüh. www.circus-go.ch