Die Seehunde robben beispielsweise durch eine Box. Müssen sie einmal ins mobile Röntgengerät, ist das kaum ein Unterschied. Auch Narkosen sind risikoreich, da unter der Haut eine dicke Fettschicht liegt, die der Regulierung des Wärmehaushalts dient. Diese Fettschicht erschwert eine kontrollierte Dosierung des Narkosemittels. Damit das Prozedere im Ernstfall nicht ungewohnt ist, pikst Tierpfleger Jörg Wick seinen Schützling sanft mit einer Plastikspritze.

Seehunde – Robben generell – sind spielerisch veranlagt, neugierig und interessiert. Diese Eigenschaften lassen sich gezielt nutzen, um erwünschtes Verhalten zu fördern. Die Ausgangslage bilden ein Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier, eine gemeinsame «Sprache» sowie eine positiv verstärkende Belohnung. Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier beruht dabei auf Freiwilligkeit, ohne Druck und Strafe. 

Als «Futterlieferant» spielt der Tierpfleger in der Umwelt des Seehundes eine wichtige Rolle, ihm gilt die volle Aufmerksamkeit. Die gemeinsame «Sprache» ist ein Signalton einer Pfeife oder eines Klickers, mit dem der Tierpfleger oder Tiertrainer ein erwünschtes Verhalten quittiert und mit einem positiven Reiz – sprich Futter – belohnt. Hat das Tier die Verknüpfung von Verhalten und Signalton verstanden, lassen sich damit bestimmte Verhaltensweisen gezielt in eine gewünschte Richtung lenken und trainieren.

«Die Fütterung sieht zwar aus wie eine Show, hat aber durchaus einen praktischen Nutzen», erklärt Experte Robert Zingg vom Zoo Zürich. «Die Arbeit schafft ein Vertrauensverhältnis zwischen Pfleger und Tier und erlaubt eine Nähe, die spielerisch eine Inspektion und allenfalls Behandlung des Tieres zulässt.» Ziel sei es, den Seehund am ganzen Körper ohne Abwehrverhalten berühren oder ihn beispielsweise auf eine Waage lotsen zu können.

Einer der ältesten Seehunde

Drei Seehunde tummeln sich in der Anlage im Zoo Zürich. Das jüngste Tier ist das Weibchen Pila. Sie wurde 2015 im Neunkircher Zoo im Saarland geboren und kam noch im gleichen Jahr nach Zürich. Das Männchen Inuit – an der Grösse erkennbar – kam 2008 im Zoo Zürich zur Welt.

Einen ersten Seehund zeigte der Zoo Zürich 1953/54. 1964, nach dem durch eine Infektion verursachten Tod von sechs Königspinguinen innert Monatsfrist, kam die Tierart erneut in den Tierbestand und wird seither ununterbrochen im Zoo Zürich gehalten. 1979 wurde die noch heute genutzte Anlage in Betrieb genommen.

Von 25 Kilo bis 4 Tonnen

Robben haben sich aus Landraubtieren zu äusserst agilen Wasserbewohnern entwickelt. Ihre Körper sind stromlinienförmig, die Extremitäten zu Paddeln umgestaltet. Die Variationsbreite in der Grösse lässt sich am Gewicht veranschaulichen: Die kleinsten Formen, weibliche Seebären, wiegen 25 Kilogramm, die grössten, männliche Seeelefanten, bringen bis zu über 4 Tonnen auf die Waage.

Der Seehund gehört zur Familie der Hundsrobben. Hundsrobben haben keine äusseren Ohrmuscheln. Ihre Gliedmassen sind kurz, die hinteren zudem nach Hinten gerichtet. Sie können nicht unter den Körper gestellt werden. An Land ist deshalb kein vierfüssiges Laufen möglich, und so erfolgt die Fortbewegung durch «robben». Im Gegensatz dazu hat die Familie der Ohrenrobben, zu der etwa der Kalifornische Seelöwe gehört, Ohrmuscheln und die Fähigkeit, auf allen Vieren hopsend zu laufen und zu klettern. (kob/az)