Toprak Yerguz

Zieglers Unterhaltungsfaktor rührt aus zwei Tatsachen: Erstens hangelt er sich mühelos von einem Problemfeld zum anderen, von einer Anekdote zur nächsten. Zweitens nimmt Ziegler kein Blatt vor den Mund. Da hagelt es von Bezeichnungen wie «Halunken» für Wirtschaftsleute und Diktatoren, Seitenhiebe gegen «die Amerikaner», die argwöhnisch seine Stellung in der Uno beobachten, und von Formulierungen wie «der kleine Appenzeller» für Bundesrat Hans-Rudolf Merz, der in der Libyen-Affäre der Schweiz «unglaublichen Schaden» zugefügt habe.

Ziegler will Sachen beim Namen nennen

Die fehlende Diplomatie in Zieglers Worten ist erfrischend. Er antwortete auf eine Frage aus dem Publikum, ob er mit negativ besetzten Wörtern wie «Halunken» oder dem «Hass» im Titel seines Buches nicht seinen Gegnern in die Hände spiele, wie folgt: «Bei derartigen Ungerechtigkeiten geht es gar nicht anders, als die Sache klar beim Namen zu nennen.» Bisweilen fragt man sich, wie jemand, der sich so deutlich ausdrückt, es in politischen Kreisen so weit bringen konnte.

In seinem neuen Buch behandelt Ziegler die Reaktion des Rests der Welt auf die «verlogene Doppelzüngigkeit des Westens». Den «Hass auf den Westen» begründet er mit drei Punkten: Vom Westen begangenes Unrecht wie die Sklaverei hinterlasse Spuren, die erst ein paar Generationen später ins Bewusstsein der ehemals Unterdrückten dringen. Zweitens habe die Uno mit ihren Millenniumszielen «null Fortschritte» gemacht: Mehr Menschen denn je lebten zurzeit unterhalb des absoluten Existenzminimums. Die «Tyrannei des westlichen Finanzkapitals» habe vormalige Unterdrückungsmodelle abgelöst. Drittens scheine der Westen begangenes Unrecht mit unterschiedlichen Ellen zu messen. All dies führe dazu, dass sich der Rest der Welt sage: «Das lassen wir uns nicht mehr bieten.»

«Der Hass auf den Westen - Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren», Jean Ziegler, Verlag C. Bertelsmann.