Historisches, Brauchtum, der Blick in vergangene Arbeitswelten mit all ihren antiken Gerätschaften ziehen Menschen unterschiedlichen Alters in den Bann. Dem Schmied, dem Pferdegeschirrsattler oder der Wäschefrau bei der Arbeit zusehen, einen Bauerngarten, eine Webstube bestaunen, etwas über Flegeln und Dengeln erfahren - Hunderte nutzten am Samstag im Rahmen des schweizerischen Mühlentags in der Stalliker Aumüli die Gelegenheit dazu.

Im Mittelpunkt stand aber zweifellos die wieder instand gestellte Mühle. Sie wurde 1886 abgetragen und in der Aumüli bis Mitte des letzten Jahrhunderts nur noch die Sägerei aufrechterhalten. Sie wurde noch vor der Mühle wieder auf Vordermann gebracht und wird heute von zwei Pensionären betrieben. Die Idee, die alte Mühle wieder aufleben zu lassen, entstand anlässlich der Gründung des Vereins Pro Aumüli im Jahr 1996.

«Gewisse Teile waren damals noch vorhanden. Wir haben dann von anderen Mühlen laufend neue erhalten», sagt Fredi Hofmann, der den Verein 1996 zusammen mit Reinhard Möhrle gründete und ihn präsidiert. Neuen Schub erhielt die Idee 1998 nach der Gründung der Stiftung Pro Aumüli. Der eigentliche Bau der Mühle begann im Januar 2009 - eine aufwändige Angelegenheit, die nun vor wenigen Tagen abgeschlossen wurde.

«Mehr als nur Show-Mahlen»

Dem Verein und der Stiftung stand dabei Kurt Fasnacht zur Seite. Der «Mühle-Doktor» zeigte am Samstag dem staunenden Publikum die Mahlvorgänge. Und diese sollen nun zum festen Bestandteil der Aumüli werden. «Wir wollen mehr als nur ein Show-Mahlen», sagt Fredi Hofmann, der die Mühle mindestens «ab und zu» in Betrieb sehen will.

Eine erste «Kundschaft» ist vorhanden: Silvia und Al-fred Schneiter aus Hauptikon-Kappel, die einen sogenannten Demeter-Betrieb führen (biodynamische Lebensmittel), wollen künftig in der Aumüli mahlen. Das sind jährlich rund vier Tonnen, aus denen zertifiziertes Mehl hergestellt wird. Nach den Worten von Fredi Hofmann hat auch der «Brotchorb» von Pfarrer Ernst Sieber Interesse, sein Korn in der Aumüli mahlen zu lassen. Kein Zweifel: Bei so grossem Interesse wie am vergangenen Samstag wird sich wohl bald weitere «Kundschaft» melden.