Auf die Frage, wie er es geschafft habe, so jung auszusehen, antwortete Ottmar Hitzfeld (68) vor vielen Jahren in einem Interview als damaliger Bayern-München-Trainer ohne zu zögern: «Ein Bekannter gab mir den Ratschlag, viel zu trinken. Deshalb trinke ich drei Liter Mineralwasser am Tag. Zigaretten und Alkoholgenuss sind tabu.» Und obwohl Hitzfeld, ehemals erfolgreichster Vereinstrainer Deutschlands und Ex-Nati-Coach, nur sehr selten Alkohol konsumiert, wirbt er derzeit für eine bekannte Zentralschweizer Biermarke – und wusste nicht einmal davon. Bei der Lancierung ihres Biers Retro setzt die Brauerei Eichhof auf das Lebensgefühl von einst: «Das Bier aus der Zeit, als Fussballer noch echte Wellen schlugen», steht unter den von der Unternehmung verbreiteten Social-Media-Werbung.

Links auf dem Foto ist unschwer Ottmar Hitzfeld zu erkennen, er kickte 1983 und 1984 beim Verein. Deswegen angefragt, weiss Hitzfeld nichts vom Werbe-Coup. Bei Heineken Schweiz, dem Unternehmen, welchem die Brauerei Eichhof angehört, erklärt man das so: «Wir haben dieses Bild auf der im Copyright vermerkten Plattform gefunden, das Copyright angefragt, keine Antwort erhalten und das Bild in einem einmaligen Post verwendet», sagt Unternehmenssprecher Urs Frei. Keiner der abgebildeten Spieler wurde je angefragt oder dafür bezahlt. Frei: «Der Prozess ist nicht 100%ig richtig gelaufen, deshalb entfernen wir den Post wieder.»

Sollten Ottmar Hitzfeld oder einer der anderen für die Werbung missbrauchten Ex-FCL-Spieler klagen, so könnte dies die Brauerei teuer zu stehen kommen: «Bei Werbung mit historischen Bildern ist nicht nur das Urheberrecht zu klären, sondern auch das Einverständnis der Abgebildeten einzuholen. Die abgebildeten Personen müssen damit einverstanden sein, dass mit ihrem Bild Werbung für ein Produkt oder eine Dienstleistung gemacht wird. Herr Hitzfeld, aber auch die anderen auf dem Bild abgebildeten Personen hätten deshalb angefragt werden müssen», sagt Rechtsanwältin Rena Zulauf, Lehrbeauftragte für Medien- und Kommunikationsrecht an verschiedenen Hochschulen. «Herr Hitzfeld kann eine Genugtuungszahlung von einigen wenigen tausend Franken einfordern. Die Geltendmachung einer Gewinnabschöpfung ist möglich, wenn er darlegt, dass wegen seines Bildes Eichhof den Gewinn beim Verkauf von Eichhof Retro steigern konnte.»