Ein Mensch hilft ein Leben lang, aber ihm konnte bei seinem letzten Kampf niemand mehr helfen. Am Sonntag ist Kinderarzt Beat Richner im Alter von nur 71 Jahren gestorben. Sein Lebenswerk: fünf Kinderspitäler in Kambodscha, wo aktuell täglich bis zu 550 schwer kranke Kinder aufgenommen werden.

Bereits im April 2017 musste Beat Richner die Leitung seiner Spitäler aufgrund einer Erkrankung abgeben, seine Nachfolge ist der Aargauer Kinderarzt Peter Studer, langjähriger Freund und Begleiter von Richner.

«In eine andere Welt abgerutscht»

Am Dienstagabend war Studer zu Gast in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1, wo er auch über die Krankheit und den Tod seines Freundes sprach. «Beat Richner selbst hat, so wie ich es empfunden habe, nicht unter der Situation gelitten», sagt er.

Durch die aggressive Nervenkrankheit sei «alles vergessen gegangen» und er «in eine andere Welt abgerutscht». «Wenn ich ihn gefragt habe, wie es ihm geht, hat er immer gesagt: gut. Das hat uns alle getröstet.»

Der bekannteste Schweizer Kinderarzt ist tot

Der bekannteste Schweizer Kinderarzt ist tot

Studer selbst hat bei seinen Besuchen in Kambodscha miterlebt, dass etwas nicht mehr stimmte mit Beat Richner. «Plötzlich kam er mit den Zahlen oder der Zeit nicht mehr zurecht.» Für medizinische Abklärungen reiste er in die Schweiz – und konnte nicht mehr zurückkehren. Studer: «Dass sich die Kambodschaner nicht verabschieden konnten, das war nicht gut.»

Umso intensiver tun sie es jetzt. «Hier war er sehr bekannt, aber in Kambodscha ist er effektiv vergöttert worden», sagte Peter Studer. Von den Mitarbeitern vor Ort habe er gehört, dass man mit Tausenden, wenn nicht Zehntausenden rechne, die ins Kondolenzbuch schreiben möchten. Und schliesslich soll Richner wieder zurückkehren: Er wird in Kambodscha beigesetzt. Studer. «Das erachtet seine Familie, wir alle, als das Richtige.»

«Es ist ein grosses Loch – er fehlt sehr»: Kinderarzt Peter Studer über seinen Freund Beat Richner.

«Es ist ein grosses Loch – er fehlt sehr»: Kinderarzt Peter Studer im April 2017 über seinen Freund Beat Richner.

Peter Studer erzählt von seinem ersten Kontakt mit Beat Richner Anfang der 80er-Jahre. Er, Kinderarzt im aargauischen Reinach, rief Richner an, als er von dessen Projekt in Kambodscha erfuhr. «Ich war selbst bereits als Rotkreuz-Arzt vor Ort gewesen und hatte keine Familie.» Studer wollte dem Zürcher Kollegen seine Hilfe anbieten, dieser bedankte sich – und legte dann auf. Doch am nächsten Tag rief er Studer an und wollte ihn treffen. 

Fünf Spitäler mit insgesamt 2500 Angestellten sind in den letzten 25 Jahren in Kambodscha entstanden. Peter Studer erzählte von den schwierigen Anfängen, in denen sogar die WHO ein Röntgengerät in Kambodscha für nicht nötig erachtete.

SRF Dok «Beatocellos Schirm»:

Wie geht es jetzt weiter?, will Moderatorin Anna Steiner wissen. «Gleich», sagt Studer. Berührend sei das Engagement der Mitarbeiter, «in Beats Sinn weiterzuarbeiten». Das gebe ihm «allen Mut, dass es weiter geht».

Die Spitäler sind auf Spenden angewiesen, Beat Richner hat diese bisher durch seine Bekanntheit und nicht zuletzt mit seinem Cello generiert. Auch wenn Beat Richner nicht mehr lebt, Peter Studer glaubt, dass die Menschen der Institution vertrauen und sich deshalb auch künftig für sein Lebenswerk engagieren. (smo)

Sehen Sie hier die Sendung «TalkTäglich» mit Peter Studer in voller Länge:

Das Erbe von Beat Richner