Kennen gelernt haben wir uns vor drei Jahren in Norwegen. Auf der Oerland Main Air Station der Royal Norwegian Airforce unweit der Stadt Trondheim. Dort nahm Stefan Jäger im Dezember 2010 an der jährlichen Mission «Nightway» der Schweizer Luftwaffe teil, wo der Maienfelder zusammen mit seinen Fliegerkameraden über dem Meer Einsätze im Überschallbereich und unter erschwerten Bedingungen übte.

«Probesitzen» im F/A-18-Cockpit

Damals kamen wir überein, dass ich ihn bei seiner Einheit, der Fliegerstaffel 11, auf dem Militärflugplatz Unterbach bei Meiringen besuchen und ein Porträt über ihn schreiben würde. Das haben wir dann im April 2011 auch getan. Jäger nahm sich dafür einen ganzen Tag Zeit und führte mich in die Geheimnisse der militärischen Aviatik ein. Ausserdem stand ein «Probesitzen» im Cockpit eines F/A-18-Kampfjets auf dem Programm. Und ein Jahr später war es dann endlich so weit: Es war der 22. Mai 2012. Ich durfte in einer zweisitzigen F/A-18-D mitfliegen und Jäger beim Training hoch über den Bündner Bergen begleiten.

Am Vorabend sassen wir zusammen. Dabei erzählte er von seinem Leben neben der Fliegerei, von seiner Frau, die in wenigen Tagen ein Kind zur Welt bringen würde und wie glücklich er darüber sei. Jäger strahlte übers ganze Gesicht. Wir sprachen über seinen Alltag, die langen Anfahrtswege von seinem Wohnort im Kanton Luzern an seinen Arbeitsort in Meiringen. Und natürlich über die Faszination des Fliegens und den Bubentraum, den er sich durch seine Berufswahl erfüllt hatte.

Abgestürzte F/A-18 hinterlässt eine Spur der Verwüstung

Abgestürzte F/A-18 hinterlässt eine Spur der Verwüstung

Jäger hielt sich nicht für etwas Besonderes, was ihn so sympathisch machte. Er habe einen Job wie andere auch, sagte er voller Bescheidenheit. Über Fliegerfilme wie «Top Gun» schmunzelte er. «Das hat mit der Realität wenig zu tun», meinte er trocken.

Der knallharte Profi

Zur Sprache kamen auch die Risiken, Gefahren und Ängste. Von einem gefährlichen Job wollte er allerdings nicht sprechen. «Trotzdem fliegt bei uns stets ein Restrisiko mit», gab der damals 38-Jährige zu bedenken. Ihm müsse man mit Respekt entgegentreten. Gefährliche Situationen, etwa bei Luftkampftrainings, habe es hie und da gegeben, erzählte er. «Aber das muss man wegstecken und gleichzeitig aus Fehlern lernen.»

Dass das mehr als leere Worte waren, wurde mir tags darauf vor Augen geführt, als wir uns auf den Flug vorbereiteten. Das Briefing war professionell. Jäger mutierte vom Freund zum knallharten Profi, der nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überliess.

Für kurze Zeit kehrte Jäger der Luftwaffe den Rücken, um als Linienpilot bei der Swiss zu fliegen. Doch das war nichts für ihn. Bereits nach einem Jahr zog es ihn zurück. «In einem Passagierflugzeug überwachst du bloss ein paar Instrumente, und du fliegst eine programmierte Strecke ab.» Zu langweilig für Jäger. Die waschechte Fliegerei finde eben nur noch bei der Luftwaffe statt, meinte er augenzwinkernd.

Diese Faszination hatte Jäger zu einem der besten Piloten der Luftwaffe werden lassen.

* Dario Morandi ist Redaktor bei der «Südostschweiz».

F/A-18 zerschellt am Lopper

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