Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Die Polizei hat gestern Abend in Versoix bei Genf die Leiche von Adeline M. gefunden, wie «Le Matin» berichtet. Die Polizei stiess laut der «Tribune de Genève» in einem Waldstück auf die in einem Sack verpackte Leiche der Sozialtherapeutin.

Bei der Suche beteiligt waren ein Helikopter und Suchhunde.

Spurlos verschwunden

Der 39-jährige Fabrice A. war am Donnerstag in Genf mit seiner 34-jährigen Sozialtherapeutin Adeline M. spurlos verschwunden. Versuche M. zu erreichen, blieben erfolglos. Die Begleiterin des Gefangenen ging nicht mehr ans Telefon. Die Tatsache liess Schlimmes befürchten.

Die Leiche der vermissten Sozialtherapeutin Adeline M. wurde am Donnerstagabend in Versoix gefunden.

Die Leiche der vermissten Sozialtherapeutin Adeline M. wurde am Donnerstagabend in Versoix gefunden.

Der Mann sitzt eine 10-jährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung ab. Der 39-Jährige sei im Zentrum für Sozialtherapie La Pâquerette in Genf untergebracht gewesen. Die zwei Personen seien um 11 Uhr morgens nicht wie vereinbart auf die Anlage zurückgekehrt. Zuvor hatten sich die beiden laut der Polizei in einem weissen Citroën Berlingo mit Genfer Kennzeichen aus dem Staub gemacht.

Was unverständlich scheint: Kein Polizist begleitete die beiden. Dass schon wieder ein Gewaltverbrecher auf dem Freigang entwischen und eine weitere Tat begehen konnte, weckt Erinnerungen an den Fall Marie oder an den Serienvergewaltiger Markus W.

Erst kürzlich wurden die Justizbehörden im Fall Marie von sämtliche Vorwürfen entlastet.

Polizei suchte auch in Basel

Eine Suche nach Adeline M. wurde in der Nacht auf Freitag auch in Basel durchgeführt. Die Basler Polizei bekam Hinweise von ihren Genfer Kollegen, dass sich Adeline in der Region Basel aufhalten könnte. Nach Informationen der "Tribune de Genève" wurde das Handy der Sozialtherapeutin am Donnerstagabend in der Nähe von Basel geortet.

Ein Helikopter mit Wärmebildkamera, der von deutscher Seite zur Verfügung gestellt wurde, flog zwei Einsätze. Die Suchaktion fand in Kooperation mit der Baselbieter, der französischen und der deutschen Polizei sowie des Grenzwachtkorps statt.

«Leider verlief die Suche erfolglos», sagte Martin Schütz, Sprecher des Basler Sicherheitsdepartements gegenüber der «Nordwestschweiz». Der Schweiz-Franzose A. dürfte wohl in Richtung Frankreich auf der Flucht sein.

Fragen drängen sich auf

Angesichts der Flucht drängen sich Fragen auf. Die vordergründigsten: Warum war die Sozialtherapeutin alleine mit einem verurteilten Vergewaltiger unterwegs? Warum begleitete sie kein Beamte? Wer veranlasste den Freigang? Und: Warum wurde die Öffentlichkeit erst mehrere Stunden später informiert? (rhe/zam/mkf)