Das Problem ist nach Ansicht von Bundesrätin Doris Leuthard gravierend: Unverbaute Landschaften seien etwa zwischen Bern und Zürich beinahe verschwunden, sagte die Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).

Die Zersiedelung mit all ihren Nachteilen sei ein Grund zur Sorge. Jede Sekunde werde in der Schweiz ein Quadratmeter Land überbaut. Dies entspreche einem Fussballfeld alle zwei Stunden. Zwischen 1983 und 2007 seien 600 Quadratkilometer Land überbaut worden - etwa die Fläche des Genfersees.

Siedlungserneuerung statt Einzonung

In der Schweiz, wo weniger als die Hälfte des Territoriums besiedelt werden könne, müssten auf 18'000 Quadratkilometern Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Landwirtschaft und Umweltanliegen unter einen Hut gebracht werden. Dies sei eine grosse Herausforderung.

Das gemeinsam von Vertretern von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden ausgearbeitete Raumkonzept definiert nun als Oberziel, bestehende Siedlungen zu verdichten.

Dazu soll die Siedlungserneuerung gegenüber der Ausscheidung neuer Baugebiete den Vorrang erhalten. Noch unverbaute Landschaften sollen in der Planung als Räume für die Naherholung, die Artenvielfalt und eine multifunktionale Landwirtschaft ausgeschieden werden.

Bei der Planung der Verkehrsinfrastruktur soll die optimale Auslastung bestehender Infrastrukturen künftig vor dem Bau neuer Verkehrswege Priorität haben. Die Raumplaner sollen zudem Rahmenbedingungen für mehr Energieeffizienz (etwa durch kurze Wege) schaffen.

Bislang beschränkter Erfolg

Die Raumplanung versuche seit Jahrzehnten die Zersiedelung zu bremsen. Mit beschränktem Erfolg. Deshalb gelte es nun, neue Wege zu gehen, um den Verbrauch von Boden einzudämmen.

Das Zauberwort des Raumkonzepts Schweiz heisst Koordination. Gemeinden und Kantone sollen bei der Raumplanung über den «Tellerrand» ihres Territorium hinaus denken und die Verkehrs- und Siedlungsentwicklung besser aufeinander abstimmen.