Von Daniel Ballmer

Georg Lutz ist froh. Froh, dass die Hot-Spot-Sanierung der Hirschackergrube bei Grenzach-Wyhlen dieser Tage abgeschlossen wird. Der Leiter des Fachbereichs Umwelt beim Landratsamt Lörrach musste in den vergangenen Monaten viel mehr Zeit in das Projekt stecken als gedacht. Gerade die Vorwürfe von Greenpeace gegenüber dem Landratsamt sowie dem Chemiekonzern Roche, der den Grossteil der Sanierungskosten übernommen hat, machten manche Überstunde nötig.

Kein Wunder, sind die Lörracher Behörden nicht traurig, dass dieser Tage die Arbeiten abgeschlossen werden, nachdem Greenpeace die Nachsanierung der Grubenränder durchgesetzt hatte.

Die Erdtransporte sind abgeschlossen. Rund 37 000 Kubikmeter wurden ausgehoben. Dauer: zweieinhalb Jahre. «Nun wird der unbelastete Oberboden noch gänzlich aufgebracht, dann wird eingesät», erklärt Lutz. «Es ist hier klar über das in Deutschland geltende gesetzliche Mass hinaus saniert worden», hatte er immer wieder betont. Dies liege sicherlich auch an der Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation Greenpeace, die mit einem Experten in der Projektleitung vertreten ist.

Nicht ohne Folgen: Ursprünglich hätte die Sanierung bereits Ende 2008 abgeschlossen sein sollen. Und auch die Kosten für dieses erste Sanierungsprojekt bei einer der elf Deponien im Dreiländereck haben sich mit insgesamt rund 13,3 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Doch damit ist noch längst nicht Schluss. Für September ist ein erneutes Treffen der Sanierungsverantwortlichen geplant, um die Modalitäten der Ergebnisüberwachung auszumachen. Schliesslich wurde die Sanierung mit dem Ziel vorgenommen, dass weniger Schadstoffe aus den verrosteten Fässern ins Grundwasser gespült werden. Bevor dieses benutzt wird, durchläuft es seit Beginn der Sanierungsarbeiten eine Aktivkohlefilteranlage.

«Diese wird noch weitere Jahre in Betrieb bleiben», betont Lutz. An die Anlage angeschlossen ist eine Analysemöglichkeit. Die deutschen Behörden hoffen, dass diese mit der Zeit auch eine Verringerung der leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffe anzeigen wird. Lutz: «Noch 2009 ist geplant, über weitere Grundwasser-Screenings die Datenlage weiter zu komplettieren, um allenfalls die laufende Grundwassersanierung zu optimieren.»

Mehrfach hatte Greenpeace eine Totalsanierung gefordert. Die Umweltorganisation geht denn auch davon aus, dass von den nicht bearbeiteten Bereichen weiter Schadstoffe ins Grundwasser gelangen. «Diese kosmetische Hot-Spot-Sanierung reicht bei weitem nicht aus, um das Trink- und Grundwasser zu schützen», sagt Frantisek Hudec von Greenpeace. Inwiefern die Schadstoffe das Grundwasser heute belasten, lasse sich nicht beurteilen, denn bisher seien die Grundwasseranalysen vorab auf rund 14 leichtflüchtige, halogenierte Kohlenwasserstoffe ausgerichtet gewesen.

In der Deponie aber dürften rund 5000 verschiedene Schadstoffe vorhanden sein. Bei künftigen Screenigs werde Greenpeace weiter beteiligt sein, «um zu garantieren, dass dies richtig geschieht». Die enorme Schadstoffvielfalt dürfe nicht unterschlagen werden können.

Diese Vorwürfe bringen Lutz nicht aus der Ruhe: «Klar hat man sich auf halogenierte Kohlenwasserstoffe konzentriert. Andere Stoffe wurden aber nicht ausser Acht gelassen, sie spielen nur wegen ihrer viel geringeren Konzentrationen nach bisherigen Kenntnissen keine Rolle.» Zudem würden auch sie zumindest teilweise über die Grundwassersanierung erfasst.

Mit weiteren Sanierungsgrabungen sei denn auch nicht zu rechnen, ist Lutz überzeugt. Anders sieht dies Hudec: «Die bisherige Teil- war eine Billig-Sanierung; darum wird ein weiteres Projekt kommen. Bis dahin bleibt die Hirschackergrube ein ernsthaftes Problem, welches Grund- und Trinkwasser gefährdet.»