Es war ein rauschendes Fest. Am Wochenende vom 30. Juni bis 1. Juli 2018 feierte der Flugplatz in Schupfart sein 50-Jahre-Jubiläum – mit grosser Flugshow und über 15 000 Besuchern. Jetzt wird bekannt, dass sie um ein Haar zu Augenzeugen einer Katastrophe geworden wären. Aus einem Vorbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) geht hervor, dass es am Jubiläums-Samstag beinahe zu einem Zusammenstoss zwischen zwei Flugzeugen gekommen ist. Der Bericht wurde gestern veröffentlicht.

Bei den Flugzeugen handelte es sich demnach um einen in Deutschland immatrikulierten Segelflieger sowie einen F-5 Tiger der Schweizer Luftwaffe. Der Vorfall ereignete sich um 12.33 Uhr in rund 1400 Meter Höhe über Zeiningen. Im Bericht ist die Rede von einer «gefährlichen Annäherung (Fastkollision)» eines Fliegers der Flugstaffel Patrouille Suisse mit dem Segelflugzeug. Bei den Piloten handelte es sich um einen 50-jährigen Deutschen und einen 29-jährigen Piloten der Schweizer Luftwaffe. Die Sust hat eine Untersuchung des Vorfalls eröffnet.

Untersuchung läuft

Der Pilot des Patrouille-Suisse-Fliegers hatte den Vorfall nach der Flugshow in Schupfart dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) gemeldet. «Kommt es zu einer solchen Annäherung, sind die Piloten verpflichtet, diese dem Bazl zu melden. Aufgrund der Beschreibung des Vorfalls wurde die Sust aktiv», sagt Bazl-Sprecher Christian Schubert auf Anfrage der AZ.

In den vergangenen Monaten sei es darum gegangen, den Gefährdungsgrad des Ereignisses zu bestimmen. «Dazu gehören Befragungen, das Beschaffen und Analysieren von Flug- und Radardaten, meteorologischen Werten und eine grobe Rekonstruktion des Zwischenfalls», sagt Daniel W. Knecht, Bereichsleiter Aviatik bei der Sust. «Gegenwärtig ist ein Teil dieser Faktenerhebung abgeschlossen.» Zum genauen Hergang des Vorfalls möchte die Sust derzeit keine Angaben machen, dieser sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen. «Wir gehen davon aus, dass die Untersuchung im Laufe des Frühjahrs abgeschlossen werden kann», so Knecht.

Im gesperrten Luftraum?

Die Vermutung allerdings liegt nahe, dass der deutsche Segelflieger auf seiner Route gesperrten Luftraum durchquert hat. Er war auf dem Flugplatz in Winzeln-Schramberg im Schwarzwald gestartet und nach dem Vorfall dort auch wieder gelandet. Der Flugplatz liegt Luftlinie rund 90 Kilometer von Zeiningen entfernt. Das Bazl hatte den Luftraum über dem Flugplatz Schupfart während der Vorführung der Patrouille Suisse temporär gesperrt. Das bestätigt Christian Schubert. Solche Sperrungen werden auf verschiedenen Kanälen publiziert und «sind von Piloten bei der Flugplanung zu beachten», wie Schubert sagt. Was dazu geführt hat, dass die Luftraumsperrung verletzt wurde, wird von der Sust untersucht. Luftraumverletzungen kämen immer wieder vor, sagt Schubert. Die Gründe dafür können unterschiedlicher Natur sein – «nebst Missachtung der aktuellen Luftfahrtinformationen auch technische Probleme am Luftfahrzeug oder medizinische Beschwerden des Piloten.» 

In Schupfart überwiegt trotz der laufenden Ermittlungen die Erleichterung. «Wir haben am Tag selber vom Vorfall erfahren. Allerdings war damals noch unklar, wie gravierend dieser wirklich gewesen ist», sagt Roger Stieger, Präsident des Flugtage-OKs. Umso grösser sei die Erleichterung, dass nichts passiert ist. «Wir sind froh, ist alles gut gegangen», so Stieger.

Die Bilder von der Flugshow im Sommer 2018

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