Berset hat die Treffen genutzt, um mit seinen Amtskollegen über das Rahmenabkommen zu sprechen. Dabei hat er ihnen - wie dies bereits Parmelin und Maurer bei ihren Gesprächen am WEF gemacht haben - erläutert, wie das Prozedere in der Schweiz nun aussehe.

"Als ich vor fünf oder sieben Jahren unsere direkte Demokratie erklärt habe, wurde ich noch mit grossen Augen angeschaut", sagte Berset am Donnerstagmittag vor den Medien im "House of Switzerland". Jetzt stelle er fest, dass sich das Verständnis stark verändert habe.

Berset hat am WEF weitere Erkenntnisse gewonnen. So habe er erfahren, dass Chile eine sehr ähnliche demographische Entwicklung wie die Schweiz habe, und damit ähnliche Probleme, beispielsweise in der Altersvorsorge. "Das habe ich nicht gewusst", sagte Berset. Chile mache sich dazu intensiv Gedanken und sie interessierten sich dabei sehr stark für das Schweizer Modell. Dies habe der Minister für Soziale Entwicklung von Chile, Alfredo Moreno im gemeinsamen Treffen gesagt.

Gesundheit erhält mehr Aufmerksamkeit

Generell hat Berset das Gefühl, dass das Thema Gesundheit stärker in den Fokus gerückt sei, auch am WEF in Davos. Ein Blick ins Programm zeigt tatsächlich, dass gleich mehrere Podiumsgespräch diese Themen aufnehmen, seien dies "Diskussionen über positiven Stress", das "Entdecken von Glücklichkeit", "Innovationen beim Umgang mit der mentalen Gesundheit" oder Fragen zum "Schutz von Patientendaten".

Letzteres - die Digitalisierung im Gesundheitswesen - besprach Berset denn auch mit den Gesundheitsministern, welche er am WEF zu Gesprächen traf. Das waren die Gesundheitsminister von Deutschland (Jens Spahn), der Niederlande (Bruno Bruins) und Grossbritanniens (Matt Hancock). "Digitalisierung ist eine sehr starke Entwicklung, auch im Gesundheitswesen. Die Frage ist, was es für die Gesundheitspolitik bedeutet", sagte Berset.

Er habe den Gesundheitsministern dargelegt, wie die Schweiz mit dieser Thematik umgehe. Die Schweiz sei bekannt, kein 'First Mover' zu sein, sagte Berset. "Wir sind vielleicht ein bisschen langsamer, als andere, aber ich würde behaupten, dafür solider und stabiler", sagte der Gesundheitsminister.

Nicht ganz einfach sei beispielsweise die Einführung des elektronischen Patientendossiers, die derzeit diskutiert werde. Ein solches müsse es erlauben, die Qualität der Behandlung sowie die Kommunikation zu verbessern- und dabei gleichzeitig die teilweise sehr sensiblen Daten der Patienten zu schützen. Das zeige, dass Digitalisierung zwar auch gute Seiten für die Patienten habe, aber eben auch Gefahren birge, die entsprechend herausfordernd seien.

Deutschland will seine Ärzte zurück

Mit dem deutschen Gesundheitsminister Jens Spahn sprach Berset zudem über die medizinischen Fachkräfte aus Deutschland, welche in der Schweiz arbeiten. Spahn hatte kürzlich sein Bedauern darüber geäussert, dass zahlreiche Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegerinnen und Pfleger in die Schweiz abwandern und möchte eine Neuregelung, damit dieser Abwanderung Einhalt geboten wird.

Diese Intervention sei für für Berset keine Überraschung gewesen, als er davon erfahren habe. Sie hätten das in ihrem Treffen auch thematisiert. Aber die Schweiz wolle ohnehin mehr Fachkräfte im Inland ausbilden. "Wir sind im Moment aber auch absolut angewiesen auf Fachkräfte aus anderen Ländern", ergänzte er. Es sei zudem gesund und gut, dass diese Diskussion mit Deutschland offen bleibe.

Solche Diskussionen gehören zum WEF. Das Forum sei ein guter Ort, um in kurzer Zeit viele Kontakte, auch neue, zu knüpfen, sagte Berset vor den Medien, weil viele Personen an einem Ort versammelt seien. Die oberste Priorität sei es, Lösungen zu finden und gut zu arbeiten. Aber Spass auch gehöre dazu. Am meisten gelacht habe er mit seinem "Freund" Xavier Bettel, Premierminister aus Luxemburg. "Er ist sehr lustig."