«Echt Pelz – echt grausam»: Mit diesem Slogan kämpft der Zürcher Tierschutz gegen Pelze, die etwa Kapuzen zieren, oder Wintermützen. Tierschützer kritisieren die Haltung von Kaninchen, Nerzen oder Füchsen, beispielsweise auf Pelzfarmen in Asien. Jetzt will der Bund die Deklaration der Echtpelze neu regeln. Aber nicht so, wie es den Tierschützern vorschwebt.

Das Bundesamt für Veterinärwesen (BLV) hat vor, die Pelzdeklarationsverordnung in verschiedenen Punkten anzupassen. Heute läuft die Vernehmlassung dazu ab. Verkaufsstellen von Pelzprodukten sollen künftig etwa verpflichtet werden, echte Pelze eindeutig und mit der Deklaration «Echtpelz» zu deklarieren. So sollen auch Laien zwischen Kunst- und Echtpelz unterscheiden können, und natürlich haben dagegen auch die Tierschützer nichts einzuwenden. Ihnen stösst ein anderer Passus sauer auf.

Hintertür für Qualpelze

Es geht dabei um die Herkunftsdeklaration. Zu dieser sind die Verkäufer schon heute verpflichtet: Sie müssen angeben, aus welchem Land ein Pelzprodukt stammt. Allerdings ist dies in der Praxis ganz einfach. Auf Pelzauktionen, so heisst es in den Erläuterungen des BLV, würden den Einkäufern «nicht konsequent verlässliche Informationen über die Herkunft und Gewinnungsart der Pelze» weitergegeben. In solchen Fällen will der Bund die Angabe «Herkunft unbekannt» ermöglichen.

Dafür hat Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz kein Verständnis. «Mit diesem Vorschlag öffnet der Bund dem Import der billigsten Qualpelze Tür und Tor», sagt sie. Für Brodmann ist klar: Wenn Konsumenten schon Pelze etwa aus China erwerben können, dann soll ihnen das wenigstens transparent aufgezeigt werden müssen. Auch Helen Sandmeier vom Schweizer Tierschutz kritisiert: «Das ist ein Kniefall vor dem Handel, der oft Probleme hat, die Herkunft der Pelze zu klären», sagt sie. Die Aufweichung der Deklarationspflicht könne nicht die Lösung sein.

Tatsächlich bereitet den Verkaufsstellen die korrekte Deklaration in vielen Fällen Probleme. Bis Ende 2017 hat das BLV 235 von ihnen kontrolliert, wobei in 80 Prozent der Fälle Beanstandungen notwendig waren. Meist handelte es sich allerdings laut BLV «um kleinere administrative Mängel», etwa einen nicht korrekten lateinischen Namen.

Importverbot gefordert

Tierschützer sähen es am liebsten, wenn die Schweiz den Import von tierquälerisch erzeugten Pelzprodukten ganz unterbinden würde. Ständerätin Pascale Bruderer (AG/SP) hat den Bund 2014 aufgefordert, ein entsprechendes Verbot zu prüfen. Dieser lehnte das Ansinnen in seinem Bericht ab – und begründete dies mit «rechtlichen und praktischen Gründen». Er warnt etwa vor Handelsstreitigkeiten, weil ein solches Importverbot «in einem Spannungsverhältnis zu den völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz stehen». Gemeint sind damit die rechtlichen Leitplanken der Welthandelsorganisation WTO, die etwa vorsehen, dass ausländische Waren nicht anders behandelt werden dürfen als inländische. Tierschützer geben sich mit dieser Begründung nicht zufrieden und verweisen auf das Importverbot von Katzen-, Hunde- und Robbenfellen. Allerdings hat die Schweiz diese Reglung von der EU übernommen. Mit einem Importverbot von Pelzprodukten wäre sie allein auf weiter Flur.