«Flipper?» Richard O’Barry reibt sich nachdenklich das Kinn. «Das waren vor allem Cathy, Suzy, Mitzi und Bebe.» Insgesamt fünf Delfine spielten während der Dreharbeiten für die berühmte TV-Serie und die Kinofilme in den 1960er-Jahren die Rolle des berühmten Delfins Flipper. O’Barry hatte sie alle eigenhändig wild gefangen, gezähmt und trainiert. «Eine Bilderbuch-Karriere nahm ihren Lauf», erinnert sich der heute weltweit bekannteste Delfin-Schützer. «Ich war, was ich von klein auf sein wollte: Taucher und Delfin-Trainer im Miami Seaquarium in Florida. Ich hatte alles, was ich wollte – bis der Bruch kam.»

Trauma und Erfolge

Heute bereist O’Barry die ganze Erde; betreut Delfinschutz-Projekte von Japan bis nach Kalifornien, von den Färöerinseln bis nach Indonesien. Und vor allem legt er sich mit Delfinarien an, egal ob in Ägypten, Spanien – oder in der Schweiz. Hier hat er sich gemeinsam mit der Schweizer Organisation Ocean Care erfolgreich gegen das Delfinarium im Kinderzoo Rapperswil eingesetzt und bekämpft gegenwärtig die Delfinhaltung im Connyland.

Auch bekannt als «Mann mit dem traurigen Gesicht», erklärt Ric O’Barry seinen Gesichtsausdruck vor allem mit der Müdigkeit, bedingt durch Zeitverschiebung und Schlafmangel. «Aber ich musste während meines Lebens in der Tat auch vieles ansehen, was mich bis heute traurig stimmt.»

Er schildert traumatische Erlebnisse an der berüchtigten Bucht von Taiji, einem kleinen Fischerdorf im Süden Japans. «Dort ist die Delfinjagd-Saison soeben zu Ende gegangen.» Delfinjagd? Der Bambi-Preisträger und Hauptprotagonist im Oscar-prämierten Film «Die Bucht» bestätigt, dass die intelligenten Meeressäuger in Japan noch immer aktiv bejagt werden. «Besonders zynisch: In Taiji wählt man zuerst die schönsten Tiere für den Lebendhandel in Delfinarien aus; die restlichen Tiere müssen sterben.» Bis zu 100000 Dollar und mehr zahlen Delfinarien laut O’Barry für lebende Delfine. «So ist es ausgerechnet die Delfinarien-Industrie, welche die Delfinjagd am Leben erhält.»

Sinnbild des Umdenkens

O’Barry begann sich Anfang der 1970er-Jahre vehement gegen die Delfinhaltung in Gefangenschaft zu wehren, nachdem Cathy, die «Hauptdarstellerin» von «Flipper», in seinen Armen gestorben war. «Sie wollte nicht mehr leben, war gestresst, einsam, depressiv. Cathy wurde für mich zum Symbol, dass man Delfine unmöglich artgerecht in Gefangenschaft halten kann.» Seither hat er weltweit unzählige Projekte für den Delfin- und Walschutz geleitet. «Mein Engagement hat mich auch immer wieder in die Schweiz geführt, eines meiner Lieblingsländer.» Die Schweiz sei für ihn zum Sinnbild des Umdenkens geworden.

«Bis in die 1980er-Jahre wurden Delfine in der Schweiz nicht nur gehalten, sondern auch gehandelt. Heute steht das letzte Delfinarium im Connyland vor dem Aus. Die Menschen hier begreifen, dass man Delfine nicht gefangen halten kann.» Besonders erfreut zeigt sich der Delfinschützer über die Parlamentsentscheide von Mitte März. Damals beschlossen National- und Ständerat ein Importverbot von Delfinen. «Dieser Wandel wäre nicht möglich geworden ohne das beherzte Engagement von Institutionen wie Ocean Care, der Schweizer Organisation zum Schutz der Meeressäuger und ihrer Lebensräume.» Das mache ihm Mut und erfülle ihn mit Zuversicht, sagt Richard O’Barry. Seine Miene hellt sich auf und er blinzelt verschmitzt. «Ich bin ja erst 72 und kann mich gut und gerne noch weitere 30 Jahre für die Delfine einsetzen.»

*Hans Peter Roth hat gemeinsam mit Richard O’Barry den Dokumentarfilm «Die Bucht» gedreht, der 2010 mit einem
Oscar ausgezeichnet wurde. Roth ist Mitglied von Ocean Care und arbeitete früher bei der az.