Zürich/Limmattal: Warme Flüsse und Glace für die Zoo-Tiere

Nach zahlreichen anderen Kantonen hat gestern auch Zürich ein Feuerverbot in Wäldern und in Waldesnähe verordnet. Allerdings liegt es in der Kompetenz der einzelnen Gemeinden, ob sie das Feuerwerk am 1. August verbieten wollen. Dietikon hat sein Höhenfeuer abgesagt. Höchste Warnstufe erreichte die Temperatur der Reppisch. Der Nebenfluss der Limmat war vergangene Woche zeitweise sogar das wärmste gemessene Gewässer im Kanton –  über 26 Grad sind für die Forellen gefährlich. Auch drohen wegen der Hitze Milchkuh-Schlachtungen, wie es bei mehreren Bauern hiess, weil das Futter für die Tiere fehlt. Wasser sparen ist in Urdorf angesagt: Nachdem bereits die öffentlichen Laufbrunnen abgestellt wurden, wird auch das Hallenbad nach der Revision vorläufig nicht wieder aufgefüllt. Die Tiere im Zoo Zürich hingegen durften sich über eine besondere Abkühlung freuen: Für sie gab es wegen der Hitze sogar Glace. (Manuela Moser)

Glacé für die Bären

Glacé für die Bären

Im Zoo Zürich dürfen die Brillenbären genüsslich Glacé schlecken. An heissen Tagen wie diesen, frieren die Pfleger das Futter für die Tiere ein. Auf dem Speiseplan stehen Früchte, Gemüse und je nach Tierart auch Fleisch. Die Tiere schätzen die Abkühlung und werden gleichzeitig beschäftigt.

Aargau: Hitzefrei für städtische Beamte

Zu reden gibt, dass der Aargau, trotz hoher Waldbrandgefahr, noch kein absolutes Feuerverbot ausgesprochen hat. Seit Donnerstag gilt lediglich ein Feuerverbot im Wald und am Waldrand. Viele Aargauer sehen das kritisch, das zeigt ein Blick in die Online-Kommentarspalten. Der Entscheid des Kantons sei ein «mutloser Kompromiss», ärgert sich ein Leser. Ein anderer fordert ein komplettes Verbot, «alles andere ist fahrlässig».

Einzelne Gemeinden und Gebiete sind strenger: Im Suhren- und Uerkental gilt ein komplettes Verbot, einzelne Gemeinden wie Kaiseraugst und Bellikon haben sich dem angeschlossen. Die Migros hat den Verkauf von Feuerwerk im Aargau bereits eingestellt.
Entschlossen handelt auch die Stadt Brugg, die Büros der Stadtverwaltung bleiben in der nächsten Woche am Nachmittag geschlossen. Der Grund: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen wegen der Hitze freinehmen können. (Rebekka Balzarini)

Zentralschweiz: Pegel des Zugersees auf Rekordtief

In den Zentralschweizer Kantonen ist die Waldbrandgefahr auf Gefahrenstufe 4 – die zweithöchste – gestiegen. Es gilt deshalb ein absolutes Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe. Auf ein generelles Feuerverbot im Freien und damit auch ein Feuerwerkverbot wird derzeit noch verzichtet. Die Behörden kommunizieren am Montag, ob am 1. August Raketen gezündet werden dürfen. Der ausbleibende Regen zieht eine Reihe weiterer Massnahmen nach sich: Die Gemeinde Kriens reduziert zum Beispiel den Wasserverbrauch ihrer öffentlichen Brunnen. In mehreren Kantonen mussten Fische aus kleineren Nebenflüssen umgesiedelt werden. So etwa in Luzern, in Uri und in Obwalden. Der Wasserstand des Sempachersees ist derzeit derart tief, dass im Strandbad in Sursee das Ein- und das Zweimetersprungbrett aus Sicherheitsgründen nicht benutzt werden dürfen. Der Pegelstand des Zugersees ist mit 413,23 Metern über Meer der tiefste im Juli seit Messbeginn 1930. (Evelyne Fischer)

Solothurn: Wasser aus dem Wasseramt

Seit Donnerstag gilt ein absolutes Feuer- und Feuerwerkverbot in den Wäldern, an Waldrändern sowie an den Gewässern. Auch Höhenfeuer sind untersagt. Einen grösseren Waldbrand gab es allerdings bereits Monate vor der aktuellen Hitzeperiode: Oberhalb von Günsberg geriet Anfang April eine grössere Waldfläche in Brand: Der Wind hatte die Glut von einer Grillstelle ins dürre Unterholz geweht. Nicht nur bezüglich Waldbrandgefahr sind die Dörfer an und auf den Jurahöhen exponierter, sondern  auch in Sachen Trinkwasserversorgung. Dies, weil der Regen in den zerklüfteten Kalkfelsen schnell versickert und so auch die Quellen rascher versiegen. Stationäre und temporäre Zusammenschlüsse erlauben einen Ausgleich. Am Jurasüdfuss, in den Mittellandgemeinden, wird der grösste Teil des Trinkwassers aus den Grundwasservorkommen des «Wasseramtes» gewonnen, was auch in längeren Trockenperioden eine sichere Versorgung in grossen Verbünden erlaubt. (Urs Mathys)

Basel: Es stinkt unter den Dolen

Spazierte man in den vergangenen Tagen durch die Basler Innenstadt, rümpfte man unwillkürlich die Nase. Hier stinkts. Das Problem liegt im Untergrund: Die Kanalisation ist so gut wie ausgetrocknet. Da bleibt dann das eine oder andere übel riechende Irgendetwas liegen und wird nicht weggespült. Aus dem Wasserhahn fliesst es derweil noch munter, sowohl im Kanton Basel-Stadt als auch im Kanton Baselland. Die lange Trockenheit könnte aber im Herbst Auswirkungen zeigen, vor allem in den höher gelegenen Dörfern des Oberbaselbiets. Dort versiegen die Quellen am schnellsten. Aber das ist – noch – das kleinere Problem. In den beiden Basel wurde ein absolutes Feuerverbot im Wald und an Waldrändern verhängt. Und die Gemeinden sind frei, diese Weisungen der kantonalen Behörden noch zu verschärfen. Bis gestern Abend setzten jedoch nur einzelne auf ein komplettes Feuerverbot, jedoch werden es von Tag zu Tag mehr, die zum 1. August aufs Feuerwerk verzichten. (Rahel Koerfgen)

Ostschweiz: Engpässe beim Trinkwasser

In allen Ostschweizer Kantonen gilt ein Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe. Im Kanton St. Gallen ist auch das Steigenlassen von Himmelslaternen verboten. Migros und Coop haben Feuerwerk in den Ostschweizer Filialen aus dem Sortiment genommen. Beim Trinkwasser zeichnen sich Engpässe in einzelnen Gebieten mit Quell- und Grundwasser ab. Die Wasserversorger des Toggenburgs haben sich per Inserat an die Bevölkerung gewandt und zum Wassersparen aufgerufen. Gemeinden, die ihr Trinkwasser aus dem Bodensee beziehen, haben wenig zu befürchten, der See gilt als sichere Reserve. Sämtliche Seewasserwerke entnehmen dem Bodensee pro Tag ungefähr jene Wassermenge, die der Rhein dem See innerhalb von 20 Minuten zuführt. Richtig eng punkto Trinkwasser wurde es für das Berggasthaus Rotsteinpass auf 2142 m ü. M. im Alpstein gelegen. Am Donnerstag mussten per Armeehelikopter 8000 Liter Wasser hochgeflogen werden. (Sandro Büchler)

Graubünden: Umsiedlung von Kühen und Kälbern

Die anhaltende Hitze und Trockenheit ist auch in der Südostschweiz spürbar. Prekär ist die Situation in Graubünden. In nahezu allen Talschaften ist das Feuern im Wald und in Waldnähe absolut verboten. Chur hat im Hinblick auf den 1. August als eine der ersten Gemeinden das Zünden von Feuerwerken verboten. Viele andere Gemeinden sind diesem Beispiel gefolgt; die Verbote schränken teilweise auch Höhenfeuer und Grillen mit Holzkohle ein. Gemäss Wetterprognosen wird sich die Waldbrandgefahr in absehbarer Zeit auch nicht entschärfen. Die momentane Wetterlage macht auch dem Bündner Vieh zu schaffen. Aus Igis mussten vergangene Woche 20 Mütterkühe und ebenso viele Kälber ausserplanmässig auf die Alp gebracht werden, weil im Tal das Futter verdorrte. Doch auch in höheren Lagen sind der Platz und die Futterkapazitäten beschränkt. Das Trinkwasser wird vorläufig nicht knapp. Durst litten bisher nur Felder und Äcker. (Andri Nay)