Wer etwas herumfragt, merkt schnell: Überraschend am Abgang ist höchstens der Zeitpunkt – ein Jahr vor den Wahlen. Denn für Parteiexponenten ist längst klar, dass das Zusammen- spiel zwischen CVP-Generalsekretärin Béatrice Wertli und Parteipräsident Gerhard Pfister nicht das beste ist. «Er verbietet ihr jeweils den Mund, wenn sie an einer Sitzung ihre Meinung sagen will», heisst es etwa.

Jetzt hat die Generalsekretärin auf Herbst ihren Rücktritt angekündigt (die «Schweiz am Wochenende» berichtete). Wertli ist zwar erst 42, aber bereits eine Art Relikt aus einer früheren CVP-Zeit. Der Pfistersche Umbau der CVP zu einer konservativeren, auf ländliche Stammlande fokussierten Partei schreitet voran.

Die urbane und moderne Béatrice Wertli, Frau von Preisüberwacher Stefan Meierhans und zweifache Mutter, mag sich zu angeblichen Differenzen mit dem Präsidenten nicht äussern: «Mein Weggang hat persönliche Gründe, es ist nichts Dramatisches, sonst würde ich ja sicher nicht noch ein halbes Jahr bleiben.» Nicht einmal Präsidiumsmitglieder der CVP wissen, was mit diesen persönlichen Gründen gemeint ist.

Gesucht: Ein Stabschef

Präsident Pfister kommt der Abgang laut Vertrauten nicht ungelegen. Alles deutet darauf hin, dass er sich eine etwas weniger offensive Person an den Schalthebeln des Parteiapparats wünscht. Die Aargauerin, die selbst politisch aktiv ist und mit der Berner CVP eben erst den Einzug ins Kantonsparlament verpasste, ergreift an Parteileitungssitzungen gerne das Wort.

Sie äussert sich unverblümt und direkt, was nicht immer und überall gut ankommt. Dass Pfister aber nur ihr das Wort abschneide, wird von Vertrauten dementiert: Das gehöre zu seiner straffen Führung, heisst es.

Aber der Präsident, seit zwei Jahren im Amt, ist nicht die einzige CVP-Grösse, die sich an der Spitze des Sekretariats eine zurückhaltendere Person wünscht, einen eigentlichen Stabschef und Organisator: Jemanden, der sich selbst konsequent im Hintergrund hält und sich darauf beschränkt, den gewählten Politikern zuzuarbeiten.

Wertli, die 2012 zur CVP-Generalsekretärin gewählt wurde, will um ihren Abgang kein grosses Aufheben machen. Es sei ganz einfach «der Lauf der Zeit, der solche Entscheide» mit sich bringe. Auch bei der SVP gehe ja der Generalsekretär Gabriel Lüchinger. Er wechselt zu Bundesrat Parmelin.

Starke Frauen gehen

Mit dem Abgang der Generalsekretärin gehen der CVP aber langsam die prominenten und starken Frauen aus. Zumindest die auf Bundesebene. Bundesrätin Doris Leuthard will noch in der laufenden Legislatur (also vor Ende 2019) ihren Rücktritt geben. Es gilt als unwahrscheinlich, dass sie durch eine Frau ersetzt wird.

In der CVP sehen sich die Männer endlich wieder an der Reihe: Der letzte ihrer Art im Bundesrat war Joseph Deiss. Er trat 2006 zurück. Demnächst in Rente verabschieden wird sich Brigitte Hauser-Süess, Mitarbeiterin im Stab von Doris Leuthard. Die ehemalige Präsidentin der CVP-Frauen ist eine graue Eminenz mit viel Einfluss im Hintergrund.

Beim eben angekündigten Rücktritt der urbanen Zürcher Nationalrätin Kathy Riklin wird es nicht bleiben: Abtreten dürfte auch die Walliser Nationalrätin Viola Amherd (55), die heute Vizefraktionschefin der CVP ist und damit eine starke Rolle in der Partei spielt.

Sie ist seit 2005 im Bundesparlament, kann aber wegen Amtszeitbeschränkung der Walliser CVP bei den nächsten Wahlen nicht wieder antreten. Eine kleine Chance gibt es jedoch, dass Amherd der Politik erhalten bleibt: wenn sie Nachfolgerin von Doris Leuthard werden sollte.

In der CVP wird gerade ein neues Zeitalter eingeläutet. Béatrice Wertli, die als überaus loyal und engagiert gilt, hat das Kapitel CVP allerdings nicht abgeschlossen. Sie war zum ersten Mal mit 20 als Praktikantin bei der CVP, mit 25 kam sie als Kommunikationschefin wieder, insgesamt erlebte sie fünf Präsidenten. Nun sagt sie: «Ich ging schon dreimal weg bei der CVP, ich komme immer wieder. Mit mir darf man auch weiterhin rechnen.»