Eine Auswertung der schweizerischen Unfallstatistik durch die SonntagsZeitung zeigt, dass sich die Vorfälle in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht haben.

Wurden 1995 noch 200 Vorfälle mit Verletzungsfolgen registriert, waren es 2016 deren 640. Die Anzahl der in der Statistik aufgeführten Frauen blieb über denselben Zeitraum konstant. Bei der Opferhilfe verzeichnete man einen ähnlich hohen Anstieg. Im Jahr 2017 wurden rund dreimal mehr weibliche Gewaltopfer registriert als noch um die Jahrtausendwende.

Gewalt bei Männern nimmt ab

Bei Männern der gleichen Altersgruppe sind die Zahlen seit 2009 rückläufig – wenn auch im Schnitt immer noch deutlich höher als bei jungen Frauen. Dazu gibt es zwei Erklärungsansätze. Einerseits ist es möglich, dass immer weniger Männer, dafür aber immer mehr Frauen am Nachtleben teilnehmen. Andererseits ist auch denkbar, dass Frauen abends oder nachts schlichtweg öfters angegriffen werden – wie das neulich in Genf der Fall war. 

Letzteres bestätigt Konfliktmanagerin Sefika Garibovic. Junge Männer würden ihren Willen wenn nötig mit Gewalt durchsetzen. «Angriffe auf junge Frauen in der Öffentlichkeit sind heute Alltag. Fast täglich habe ich junge Männer bei mir, die erzogen wurden, Frauen als Objekte zu betrachten», zitiert die SonntagsZeitung Garibovic. Sie fordert, dass härtere Strafen eingeführt werden, um die Täter abzuschrecken. 

Im privaten Raum ist die Gewalt gegen Frauen über die letzten Jahre konstant geblieben. Sozialpädagogin Doris Binda erklärt, dass häusliche Gewalt heutzutage nicht mehr als privat gilt. Auch Nachbarn schreiten häufiger ein und wählen den Notruf. In der Öffentlichkeit gibt es aber keine «klare Verurteilung von Gewalt». (vom)