Er war der berühmteste Clown der Schweiz und nun ist er tot: Dimitri. Die Nachricht seines Todes verbreitete sich zunächst in den sozialen Medien und wurde am frühen Morgen von der Familie gegenüber dem Tessiner Radio und Fernsehen RSI bestätigt.

Wie das Teatro Dimitri am Mittwochmorgen in einem Communiqué schrieb, sei der Künstler "nach kurzem Unwohlsein" überraschend "mitten aus seinem vielseitigen Schaffen" gerissen worden. Noch am Sonntagabend hatte der Clown im Freilichtstück "Sogni di un'altra vita" auf dem Monte Verità auf der Bühne gestanden.

Dimitri hinterlässt seine Frau Gunda und fünf erwachsene Kinder.

Clown Dimitri ist tot

Fast sechs Jahrzehnte lang begeisterte er Gross und Klein. Der Clown mit Leib und Seele ist gestern im Alter von 80 Jahren gestorben.

Lehrjahre in Frankreich

Geboren wurde der Schweizer National-Clown als Dimitri Jakob Müller 1935 in Winterthur – erst später änderte er seinen bürgerlichen Namen auf Jakob Dimitri. Aufgewachsen ist der Sohn eines Bildhauers und Architekten aber in Ascona. Hier beschloss er schon im zarten Alter von sieben Jahren, dass er einst Clown werden möchte. 

Clown Dimitri solo auf der Bühne – die Highlights.

Video von Beat D. Hebeisen

Nach Abschluss einer Töpferlehre widmete er sich seiner künstlerischen Laufbahn: Er nahm Schauspielunterricht und liess sich in Musik, Ballett und Akrobatik ausbilden.

1954 zog Dimitri nach Frankreich, wo er in Paris Pantomime studierte und bei Zirkusartisten Seiltanz und Akrobatik wie auch das Gitarrenspiel bei Flamenco-Künstlern lernte.

Einsichten eines Clowns

Anlässlich seines 80. Geburtstags sprach Dimitri in der Sendung «Sternstunde Philosophie» mit Stephan Klapproth, Sendung vom 20. September 2015.

Verscio – die Clown-Heimat

Nach fünf Jahren in Frankreich, wo er auch als Mime in einem Wanderzirkus mitreiste, fand 1959 die Uraufführung seines ersten Soloprogramms in Ascona statt. Ab dann tourte Dimitri durch die Schweiz und mehrmals sogar durch die ganze Welt. Dreimal begleitete er den Nationalzirkus Knie auf seiner Tournee. 

Im Dorf Verscio bei Locarno ist in den Siebzigerjahren durch den Einsatz Dimitris ein kunterbuntes Imperium entstanden: Neben dem 1971 mit seiner Grau Gunda gegründeten Theater entstand in der Folgezeit eine Theaterschule (1975), die sich seit 2015 "Accademia" (Hochschule für Bewegungstheater und Theaterkreation) nennt. In der jüngeren Zeit kamen noch ein Komik-Museum und der "Parco del Clown" hinzu. Die Gemeinde Verscio hat ihm 2005 die Ehrenbürgerschaft verliehen.

2013 für Lebenswerk geehrt

Nebst der Arbeit in seinem eigenen Theater wirkte Dimitri über Jahre auch als Autor, Regisseur, Bühnenbildner und Maler und trat auf verschiedenen Kleinkunst-Bühnen auf. Bei Ausstellungen seiner Bilder pflegte aber immer zu sagen: «Ich bin kein Maler, sondern ein Clown, der malt.»

Er erhielt während seiner Karriere unzählige Preise und Auszeichnungen, die 2013 im Swiss Award für sein Lebenswerk gipfelten. 

Dimitri: «Ich will als Clown wiedergeboren werden»

Anlässlich seines 80. Geburtstags im vergangenen September sprach er über seine Zukunftspläne. Zusammen mit dem schweizerisch-algerischen Regisseur Mohammed Soudani wollte er einen Film realisieren.

Im Februar 2015 präsentierte der Tessiner zudem sein neustes Familienprogramm DimiTRIgenerationes. Im Interview mit dieser Zeitung sprach er damals über das Älterwerden und seine anthroposophischen Grundwerte. 

Über den Tod sagte er im Interview zu seinem 80. Geburtstag im September letzten Jahres noch: «Ich glaube an ein Leben nach dem Tod, an die Reinkarnation.» Den Tod an sich fürchte er nicht, aber ich habe Angst vor langem Leiden, vor Krankheit und Abhängigkeit. Er wolle als Clown wiedergeboren werden. «Als besserer Clown.»

(edi/sda)

«Der Liebe wegen» - Porträt über Clown Dimitri bei ARD, August 2013

Dimitri bei Roger Schawinski, Sendung «Schawinski» vom 13. April 2015

In «Schawinski» blickt der berühmteste Schweizer Clown auf sein Lebenswerk zurück und erklärt, weshalb er noch nicht ans Aufhören denkt.

La Famiglia Dimitri bei «Das Zelt» im Jahr 2010.

Beitrag produziert von www.art-tv.ch.