Sie haben es versucht, genützt hat es nichts. Am Dienstag nahm ein Mitarbeiter der Berner Staatskanzlei den Telefonhörer in die Hand, rief Bruno Moser an, und erklärte ihm die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang der Ständeratswahlen. Im ersten erreichte der selbst ernannte «Freiherr von Moser» genau 4114 Stimmen. Die beiden Erstplatzierten kamen auf 151'069 (Werner Luginbühl, BDP) respektive 144'805 Stimmen (Hans Stöckli, SP). Trotz Achtungsresultat zog sich der Drittplatzierte, SVP-Wahlkampfleiter Albert Rösti, zurück. Genauso alle anderen Kandidaten.

Ausser eben der parteilose Bruno Moser, der auch in der Vergangenheit schon als Querulant aufgefallen ist. Auf Nachfrage berichtet er vom «korrupten Polit-Laden», den er nun mal «gründlich aufräumen» wolle. Er will sein Konzept der Bodenwertbesteuerung unter das Volk bringen, doch die politische Elite lasse ihn nicht zu Wort kommen. Seine Wahlchancen? «100 Prozent», sagt er – und scheint es ernst zu meinen. Er wolle nun all jene mobilisieren, die am 18. Oktober nicht zur Urne gingen.

Sein Nichtverzicht kostet den Kanton Bern allerdings eine schöne Stange Geld: Die Staatskanzlei rechnet mit Fixkosten von rund einer halben Million Franken, die der zweite Wahlgang am 15. November verursacht. Hinzu kommen die Personalkosten in den einzelnen Gemeinden.

Unterschiede in Kantonen

Pikant: Erst per 2014 hat der Kanton Bern das entsprechende Wahlgesetz angepasst und damit die «stille Wahl» bei einem Rückzug aller anderen Kandidaten überhaupt erst ermöglicht. «Mit dem nun eingetretenen Fall haben wir aber nicht gerechnet», sagt Staatsschreiber Christoph Auer. In Zukunft dürfte aber auch dafür gesorgt sein – die BDP hat bereits eine Motion angekündigt, die das Gesetz weiter verschärfen soll.

Einige wenige Kantone haben dies bereits getan – etwa Freiburg und Solothurn. Dort dürfen Kandidaten, die im ersten Wahlgang teilgenommen haben, aber nicht mindestens zehn Prozent der Stimmen erhalten haben, nicht mehr zur zweiten Runde antreten. «Es ging uns darum, einen Fall wie jetzt in Bern zu verhindern», sagt die stellvertretende Staatsschreiberin Pascale von Roll. Anders im Kanton Aargau: Eine Mindestquote kennt man dort nicht – und es gibt laut Regierungssprecher Peter Buri auch keine politischen Bestrebungen, eine einzuführen: «Natürlich kosten Wahlen etwas, aber das dürfen sie auch. Es ist der Preis für das Ausüben unserer demokratischen Rechte.»