Die Ursache für den Absturz eines Helikopters der Luftwaffe in kleiner Entfernung zum Gotthard-Hospiz beruht aller Wahrscheinlichkeit auf menschlichem Versagen. Tele M1 zitierte Augenzeugen, die den Helikopter des Typs Super Puma in eine Stromleitung haben fliegen sehen. Darauf sei er am Boden zerschellt.

Rauch und Einsatzkräfte an der Absturzstelle beim Gotthard-Hospiz.

Rauch und Einsatzkräfte an der Absturzstelle beim Gotthard-Hospiz. (28. September 2016)

Beide Piloten kamen ums Leben, der Flughelfer verletzte sich. Armeechef André Blattmann äusserte am Ort des Unglücks ähnliche Vermutungen zum Unfallhergang. Es sei allerdings noch nicht klar, ob es sich um die alleinige Ursache handle. Noch hat die Luftwaffe weder das Berühren der Stromkabel noch einen Pilotenfehler als Absturzgrund bestätigt.

Ein Experte der Materie ist sich allerdings sicher: «Die Wahrscheinlichkeit für einen technischen Defekt ist sehr, sehr klein», sagt Fredy Frutig. «Das Militär wartet seine Maschinen sehr gut.» Der 65-Jährige flog während 13 Jahren für das private Helikopter-Unternehmen Fuchs in Schindellegi SZ. Heute gibt er das Helikopter-Fachmagazin «Helico» heraus.

Als die «Nordwestschweiz» ihn am Telefon erreicht, ist er schockiert darüber, was er gerade aus den Medien erfahren hat: «Mein Eindruck ist, dass die Piloten beim Abheben die Kabel übersehen haben. Das sollte nicht passieren und wäre ein fataler Pilotenfehler.»

«Stark auf Instrumente fokussiert»

Super Pumas werden von der Armee oft für Transportflüge eingesetzt und fliegen deswegen vielfach in Bodennähe. Dort lauern mit Stromleitungen Gefahren, die nicht so gut sichtbar sind wie andere Objekte. «Das richtige Überfliegen von Stromleitungen gehört zur Grundausbildung», erklärt Frutig.

Helikopter-Absturz: Luftwaffen-Kommandant nimmt Stellung

Helikopter-Absturz: Luftwaffen-Kommandant nimmt Stellung (28. September 2016)

Der Kommandant der Schweizer Luftwaffe, Aldo C. Schellenberg, nimmt Stellung zum Helikopter-Absturz am Gotthard.

Es gelte, mit mindestens zehn Metern Abstand über den Mast zu fliegen. «Dieser ist besser sichtbar als die Kabel selbst. Deshalb sollte man nicht über die Leitungen fliegen. Das oberste Kabel ist bei Hochspannungsleitungen das dünnste, das kann man leicht übersehen.» Gleich vorsichtig gelte es bei der Landung zu sein: «Sicher landen sollte man nur parallel und mit mindestens 50 Metern Abstand zu den Leitungen.»

Eine weitere Beobachtung machte Frutig bei seinen Flügen als Gast auf dem Jumpseat, dem Sitz direkt hinter den Piloten: «Mir ist aufgefallen, dass diese stark auf die Instrumente fokussiert sind und weniger auf die Umgebung.»