Bei dem Blindgänger, der in der Nähe des Stausees in einem Bachbett lag, soll es sich nach Angaben des Schweizer Kompetenzzentrums Kampfmittelbeseitigung in Thun um eine 8,1 Zentimeter Minenwerfer-Wurfgranate gehandelt haben. Diese werde als Munition für Panzer eingesetzt und auch während Militärübungen verwendet.

Die Schweizer Familie hatte am Sonntag sofort die Tessiner Polizei benachrichtigt und das Projektil an seinem Platz belassen. Genau die richtige Reaktion, wie der Verantwortliche für die Blindgängermeldezentrale, Erwin Gilgen, gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte.

Dass eine solche Patrone in der Natur von Spaziergängern entdeckt würde, sei allerdings nicht ungewöhnlich. Rund 600 Meldungen gingen beim Kompetenzzentrum über das Jahr ein. In knapp 30 Prozent der Fälle sei der Sprengsatz noch scharf. Bei starker Erschütterung könnte er explodieren.

In der Regel seien solche Blindgänger Überreste aus Militärübungen, sagte Gilgen. Das Gebiet direkt am Lukmanier-See werde zwar nicht für Schiessübungen genutzt. Vermutlich sei die Granate aber aus einer höheren Region vom Bach herabgespült worden.

Gletscher geben alte Munition frei

In Zukunft könnten Bergwanderer auf immer ältere solcher Munitionsreste treffen, sagte Gilgen. Die Gletscher würden durch ihr Abschmelzen immer mehr Projektile aus früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten freigeben. "Das älteste Fundstück bisher stammte aus dem Jahr 1870."

Objekte dürften auf keinen Fall angefasst oder gar mitgenommen werden. Stattdessen sollte die Fundstelle markiert und die Polizei informiert werden. Kinder müssten gezielt auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden. Für die weiteren Schritte sei allein das Kompetenzzentrum Kampfmittelbeseitigung in Thun zuständig.