Martin Kägi hat soeben zwei Kühe verkauft. «Eigentlich habe ich die Tiere fast verschenkt», sagt er. Kägi ist Landwirt im zürcherischen Wald und gestern für den Schlachtviehmarkt über den Ricken nach Wattwil gefahren. Die «Riesentrockenheit», sagt Kägi, stelle ihn vor ernsthafte Probleme.

Seit Ende Juni hat er fast kein Futter mehr, es wächst kein frisches Gras nach. Notgedrungen zehrt der Landwirt nun vom Winterfutter. Weil das nicht reicht, muss er seinen Viehbestand reduzieren. Man merkt Kägi an, dass er seine Milchkühe mit Stolz und Freude pflegt. Umso mehr nimmt den Viehzüchter die aktuelle Situation mit: «Es tut weh, wenn man die Kühe so hergeben muss, einfach weil zu wenig Futter da ist.» Wenn es so weitergehe, müsse er weitere Kühe zum Schlachten bringen.

Bauern weinen am Telefon

So wie viele Bauern leidet auch Kägi unter dem Futtermangel. Und ihr Spielraum ist klein. Denn die Futterpreise sind in den letzten Wochen in die Höhe geschnellt, zudem kommt das Jungvieh von der Alpsömmerung zurück – und im Tal fehlt das Futter. So entscheiden sich nicht wenige Bauern, einen Teil ihrer Tiere abzustossen. Am schweizweit grössten Schlachtviehmarkt in Wattwil ist deshalb der Ansturm gross.

«Wir werden total überrannt», sagt Ernst Rutz, Geschäftsführer der Ostschweizer Nutz- und Schlachtviehgenossenschaft. An diesem Morgen werden etwa 250 Kühe und Stiere zur Markthalle gebracht, über 100 teils verzweifelte Bauern mussten aus Kapazitätsgründen abgewiesen werden. Einige Bauern hätten am Telefon geweint, weil ihnen Futter, Wasser und Geld fehle, erzählt Rutz.

Die Stimmung am Markt ist angespannt. Über den dicht gedrängten Kuhrücken steht Armin Raschle. Er ist der Auktionator am Viehmarkt, versteigert die Tiere an den Meistbietenden. Doch dies ist meist ein kurzer Prozess: In vielen Fällen werden die Kühe zum Mindestpreis verkauft, für andere findet sich gar kein Käufer. Das Überangebot drückt die Fleischpreise. Martin Kägi blickt auf die Zettel, die den Verkaufspreis seiner beiden Kühe belegen. «Rund 400 Franken weniger habe ich pro Kuh erhalten.» Je nach Gewicht erhält ein Bauer 1500 bis 3000 Franken pro Kuh.