Dreieinhalb Jahre nach dem letzten deftigen Frankenschock hat die Arbeitslosenquote in der Schweiz mit 2,7 Prozent ein Mehrjahrestief erreicht. Gewiss, es gibt andere statistische Grössen, nach denen Erwerbslosenzahlen etwas höher sind. Aber alles in allem zeigt sich der Schweizer Arbeitsmarkt dennoch in einer glänzenden Verfassung. Besonders erfreulich zu sehen ist, mit welcher Kraft der Markt derzeit auch Langzeitarbeitslose wieder aufsaugt.

Das hat viel mit dessen Flexibilität zu tun. Viele Firmen sind unsicher und wissen nicht, wie lange ihnen die Konjunktur noch in die Hände spielt. Dennoch zögern sie nicht, frisches Personal einzustellen. Im Wissen, dass sie dieses im Fall eines Rückschlages relativ rasch und ohne hohe administrative Hürden wieder entlassen können. Trotzdem fordern die Gewerkschaften wegen der überdurchschnittlichen Zunahme der Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen einen stärkeren Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer.

Nun zeigen aber die aktuellen Daten, dass auch die Ü50 vom flexiblen Arbeitsmarkt profitieren. Auch die Temporärarbeitsvermittler geniessen derzeit Hochkonjunktur. Das ist ebenfalls ein Zeichen dafür, dass viele Unternehmer mit dem Kapazitätsausbau noch zögern. Doch in der Schweiz spielt die Temporärbranche eine weit weniger wichtige Rolle als etwa in Frankreich, wo die Arbeitnehmer einen ausgedehnten Kündigungsschutz geniessen und deshalb manchmal lange auf eine Festanstellung warten müssen. Deshalb muss für die Politiker im Zweifelsfall der Grundsatz gelten: Hände weg vom Arbeitsmarkt!