Herr Studer, blutet Ihnen als ehemaliger «Tagi»-Chefredaktor das Herz?

Peter Studer: Jede Reduktion von publizistischer Vielfalt schmerzt mich. Das gilt besonders für den Raum Bern. «Der Bund» ist eine der renommiertesten Zeitungen der Schweiz und auch die «Berner Zeitung» hat ein eigenes Profil – noch. Künftig wird eine Differenzierung kaum mehr möglich sein.

Tamedia reagiert damit auf die wegbrechenden Inserateeinnahmen und die sinkende Zahl von Abonnenten.

Ich sehe diese wirtschaftlichen Zwänge schon. Aber: Tamedia schreibt jedes Jahr grosse Gewinne. Den Grundsatz, auf Quersubventionierungen zu verzichten, kann ich nicht verstehen. Ich vermisse hier echtes verlegerisches Feuer, das nicht nur kommerzielle, sondern auch demokratiepolitische Ziele verfolgt.

Schenken Sie der Ankündigung, keine Entlassungen vorzunehmen, Glauben?

Kurzfristig ja, sonst wären die Proteste riesig. Aber Abgänge werden wohl nicht ersetzt, sonst macht die ganze Übung keinen Sinn. Damit sinkt die journalistische Qualität.

Wird das der Konsument merken?

Ich mache Ihnen ein Beispiel: Zu meiner «Tagi»-Zeit hatten wir neben zahlreichen fixen Auslandkorrespondenten auch sechs Auslandredaktoren in Zürich. Jedes Jahr konnten sie eine mehrwöchige Studienreise in «ihre» Regionen unternehmen und kamen mit kompetenten Berichten zurück. So etwas ist heute undenkbar. Es liegt auf der Hand, dass man damit ein schärferes publizistisches Profil hatte als heute.

Die Sorgen um die Demokratie sind so alt wie die Demokratie selbst.

Wir sehen einfach, dass finanzkräftige Investoren in den Markt drängen – mit politischen Absichten. Auch wenn sie das Gegenteil behaupten.

Letztlich sind alle Verlagshäuser im gleichen Spital krank. Haben sie Fehler gemacht?

Sie hätten die Gratismedien nicht aufkommen und gar stützen dürfen. Die deutschen Medien haben das besser gemacht.

Würden Sie Ihren Nichten und Neffen anraten, Journalisten zu werden?

Derzeit nicht. Ich würde Ihnen sagen: Studiert Jus. Da habt ihr mehr Entwicklungsmöglichkeiten.