Die Firmen versuchten hier am WEF in Davos, ihre Westen weiss zu waschen, während sie verantwortlich seien für die Abholzung des Regenwaldes und die Verpestung von Flüssen und Seen, sagte Funiciello. Am WEF würden Diktatoren mit Häppchen versorgt, während ihre Bevölkerung zuhause hungere.

"Liebe Mächtigen, ihr habt versagt", sagte Funiciello an die Adresse der Unternehmenschefs und Politiker, die unweit des Demonstrationsplatzes tagten. Seit 49 Jahren würden sich die "Mächtigen und Reichen" hier treffen und vorgeben, die Welt zu einem besseren Ort zu machen - "angeblich, erfolgreich."

"Doch wie definiert Ihr Erfolg?", fragte Funciello. Erfolgreich wäre es, wenn alle Kinder eine Schulbildung bekämen und ohne Krieg und Gewalt aufwachsen würden; dass niemand verhungert, während das reichste Prozent kaum mehr wisse, wohin mit der "Kohle". Erfolg würde bedeuten, wenn alle ihre Sexualität ausleben könnten, ohne Angst haben zu müssen, verfolgt zu werden. Solche Erfolge würden von unten, von der Strasse erkämpft werden, meinte Funiciello.

"Wir vergessen und vergeben nicht"

"Wir vergessen nicht, wenn Brasiliens Präsident Hitler einen guten Strategen nennt und den Amazonas mal schnell den Multis zum Frass vorwirft", sagte Juso-Chefin Funiciello vor den rund hundert Demonstranten in Davos.

"Wir vergessen nicht, wenn ein Journalist bei lebendigem Leib zerstückelt wird. Und das ist keine offene Sache, lieber Herr Maurer. "Ich schäme mich offen für Sie", sagte die Juso-Präsidentin vor den rund hundert Demonstrantinnen und Demonstranten. Sie sprach damit die Aussage Maurers an, wonach der Fall um den höchst wahrscheinlich auf Befehl des saudischen Kronprinzen getöteten saudi-arabischen Journalisten, Jamal Khashoggi, abgeschlossen sei.

"Wir vergessen nicht nur nicht, wir vergeben auch nicht", sagte Funicellio. "Wir kämpfen gegen rechts und gegen oben", sagte Funiciello vor den Demonstranten. "Wir sind nicht viele, aber wir sind überall", sagte sie. Hier in Davos setzten sie sich gegen das WEF ein, in Paris gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron, in Hamburg gegen die G20.

"Wir sind die Zukunft", sagte Funiciello. "Wir sind die Kinder der 68er-Bewegung und wir sind die Eltern derjenigen Generation, welche diese Welt ein für alle mal verändern wird und dieses System zum Einsturz bringen wird.

Die Demonstranten versammelten sich auf dem Areal zwischen dem Rathaus- und dem Bubenbrunnenplatz. Bewilligt worden war die Demonstration mit zahlreichen Auflagen. Diese betrafen unter anderem die Art der Kundgebung, den Ordnungsdienst sowie das Informations- und Kundgebungsmaterial. Auch ein Marsch wurde nicht bewilligt. Gegen 16.30 Uhr hatte sich die Versammlung auf dem Rathausplatz aufgelöst. Zwischenfälle hatte es keine gegeben.