Die Verantwortlichen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) haben für die Pressekonferenz zu «Alkohol und Gewalt im öffentlichen Raum» einen treffenden Ort ausgewählt: ein Kulturzentrum in Bern, in dem regelmässig bis spät nachts Partys stattfinden. Rund um solche städtische Lokalitäten finden nämlich die häufigsten Gewaltanwendungen statt, die im Zusammenhang mit Alkohol stehen. Dies hat eine vom BAG in Auftrag gegebene, 140 000 Franken teure Studie ergeben.

Die rund 1300 Polizeibeamten und Experten lieferten weitere Erkenntnisse aus ihrem Alltag: So war während der Referenzwoche bei rund jeder zweiten Gewalthandlung Alkohol im Spiel, wobei auch Delikte wie Ruhestörungen (78 Prozent) und Streitigkeiten (74 Prozent) als derartiger Verstoss gelten. Nicht in allen Fällen war der Alkoholkonsum allerdings nachgewiesen, es reichte die Vermutung der Polizisten.

Junge Männer besonders involviert

Besonders hoch war der Alkoholanteil auch bei Gewalthandlungen wie Körperverletzungen (73 Prozent) und Tätlichkeiten (70 Prozent). Bei Delikten wie beispielsweise Einbrüchen oder Diebstählen ist der Anteil naturgemäss massiv tiefer - da dafür eine grössere Geistesgegenwart notwendig ist.

Die häufigsten alkoholassoziierten Gewalthandlungen ereignen sich - wenig erstaunlich - an den Wochenenden in städtischen Gebieten oder in den Agglomerationen. Typischerweise sind junge Männer zwischen 19 und 34 Jahren involviert. «Sie sind aber nicht nur Täter, sondern auch Opfer. Zum Beispiel wurden junge Männer, die auf den ersten Zug am Morgen gewartet hatten, mehrfach von Banden ausgeraubt», sagt der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause.

Die Polizeiangestellten wurden ausserdem gefragt, mit welchen Methoden sich die Gewalthandlungen unter Alkoholeinfluss reduzieren liessen. Am ehesten Besserung versprechen sie sich von repressiven Massnahmen wie beispielsweise einer stärkeren Polizeipräsenz.

Mehr Prävention? Räte uneinig

Beim Bund setzt man aber ausdrücklich auch auf Prävention. Wie die zuständige BAG-Mitarbeiterin ausführte, wisse man dank der Studie nun, «wo wir ansetzen müssen». Brigitta Gadient, Präsidentin der Eidgenössischen Kommission für Alkoholfragen, verlangt beispielsweise das Verbot von sogenannten Happy Hours und ein genereller Alkoholverkaufsstopp während der Nacht - Erfahrungen hätten gezeigt, dass solche Massnahmen gerade beim Jugendschutz sehr wirksam seien.

Die Räte sind sich im Rahmen der Revision des Alkoholgesetzes in dieser Frage allerdings nicht einig - der Nationalrat hat entsprechende Bestrebungen von Bundesrat und Ständerat im vergangenen Herbst abgeblockt.

Unverständlich für den Berner Polizeidirektor Reto Nause: Die Debatte habe gezeigt, dass gewisse Parlamentarier «weit weg von den Realitäten in den Städten sind».