Der Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer ist empört. «Für ein neutrales Land ist das ein Skandal.» Was er meint: Den Umstand, dass die Schweiz am Donnerstag in New York für die UNO-Resolution zum Status von Jerusalem stimmte. Sie verlangt von US-Präsident Donald Trump, dass er die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels rückgängig macht.

Trump drohte den Staaten, die gegen ihn stimmten, mit Streichung von Finanzhilfen. Heer sagt: «Die Schweiz hätte sich mindestens enthalten müssen.» Lieber noch Nein stimmen. Jedenfalls ist für Heer klar: «Nur Israel garantiert Zugang für alle Religionen in Jerusalem.»

Das Jerusalem-Dilemma. So offen wie Heer wagen sich nicht alle Israel-Freunde zu äussern. Mitte Dezember hat der Zürcher im Nationalrat sogar ein Postulat eingereicht, in dem er die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels propagiert. Mitunterzeichner hat er gar nicht erst gesucht.

Einer, der auch Position bezieht, ist Erich von Siebenthal, Berner SVPNationalrat und Präsident der Parlamentarischen Gruppe Schweiz - Israel: «Meine persönliche Meinung ist: Die Hauptstadt Israels ist Jerusalem, Regierung und Parlament befinden sich dort. Von daher ist klar, wohin die Schweizer Botschaft gehört, nämlich nach Jerusalem.» Er hofft, dass Heers Postulat eine Mehrheit findet.

Israels offensive Gangart hat vorab in der SVP, aber auch in betont christlichen Kreisen in anderen Parteien eine beträchtliche Anhängerschaft. Einen Hinweis, wie stark sie ist, gibt das Postulat von SVP-Nationalrat Christian Imark (SO). Er verlangte im Mai, die palästinensische Hamas zu verbieten.

30 Personen unterzeichneten den Vorstoss, vor allem Mitglieder der SVP, aber auch Leute wie Gewerbedirektor Hans-Ulrich Bigler (FDP/ZH), die Sicherheitspolitiker Corina Eichenberger (FDP/AG) und Jakob Büchler (CVP/SG) oder CVP-Präsident Gerhard Pfister (ZG). Was ihre Haltung zur Jerusalem-Frage betrifft, halten sich viele aber bedeckt.

Nicht so CVP-Präsident Pfister, der seine Partei auf einen muslim-kritischen Kurs einzuschwören versucht. In der Jerusalem-Frage aber plädiert er für Zurückhaltung: «Im Gegensatz zu den USA ist die Schweiz ein neutraler Kleinstaat», sagt er. «Unsere Rolle in Israel ist deshalb eine andere, nämlich die der guten Dienste, wenn sie gefragt sind. Wir unterstützen Israel besser, wenn wir die Hauptstadtfrage nicht so sehen wie die USA.»