Das Stelleninserat erscheint skandalös. Auf mehreren Jobportalen sucht die IT-Firma Meyer Info eine Arbeitskraft fürs Personalmanagement. Das Inserat gibt es in zwei Formen: eines richtet sich an Männer, das andere an Frauen. Arbeitsinhalt und Anforderungsprofil sind identisch. Es gibt nur einen – gewichtigen – Unterschied: das Salär. Während der Frau 64'000 Franken in Aussicht gestellt werden, sind es beim Mann 80'000 Franken.

Lange ging es nicht, bis dieses offensichtlich frauendiskriminierende Inserat online die Runde machte. In einem Artikel des Westschweizer Newsportals Le Matin ärgerte sich SP-Nationalrätin Rebecca Ruiz (VD) über die «verblüffende und skandalöse» Differenz. Für sie war damit der Nachweis erbracht, dass die Löhne in der Schweiz frauendiskriminierend sind.

Erbitterter Kampf um Lohngleichheitsanalysen

Nur: Skandalös ist nicht die angebliche Lohndiskriminierung der Meyer Info. Skandalös ist vielmehr, dass es die Meyer Info gar nicht gibt. Das Inserat ist fingiert, erfunden, gefälscht. Das Inserat ist Fake-News. Zwar gibt es eine professionell gemachte Webseite der Firma Meyer Info. Doch wer die Telefonnummer anwählt, landet im Nichts. Die angeblichen vier Firmensitze sind nur ungefähr, ohne präzise Adresse, angegeben. Eindeutiger noch: Im Handelsregister ist keine Meyer Info verzeichnet. Auch der angebliche Halter der Webseite ist in keinem Adressverzeichnis auffindbar.

Seltsam mutet auch an, dass die Firma, die angeblich seit 1971 besteht, erst seit diesem Jahr eine Internet- und Facebook-Seite hat. Die Webseite wie auch die Firma ist offensichtlich eine Attrappe. Stellt sich die Frage: Wer steckt hinter der erfundenen Stellenanzeige? Wer könnte ein Interesse daran haben, die Lohndiskriminierung der Frauen so plakativ aufzuzeigen? In freisinnigen Online-Kreisen kursiert seit Tagen die These, dass die Linke dahinterstecken könnte. Und tatsächlich: Am Montag äusserte sich auf Druck mehrerer Internetnutzer jene Frau zu Wort, welche die ganze Geschichte mit einem Tweet zum Laufen gebracht hatte. Ihre Erklärungen haben es in sich: «Die Gewerkschaft Unia hat diese Aktion zur Unterstützung ihrer Kampagne zugunsten der Lohngleichheit lanciert. Sie hat mehrere Influencers gebeten, die Anzeigen zu teilen, um die öffentliche Meinung zu sensibilisieren und einen Medienhype auszulösen», schreibt sie in ihrem Blog. Influencers sind Personen, die mit ihren Beiträgen in den sozialen Medien einen gewissen Einfluss ausüben, weil ihnen viele Internetnutzer auf Facebook, Twitter oder Instagram folgen. Eine davon war offensichtlich die Westschweizer Bloggerin, die nun auf die Unia zeigt. Inhaltlich scheint sie die Position der Gewerkschaft weiterhin zu teilen. «Die gefälschten Anzeigen machen die Lohndifferenzen, die normalerweise versteckt sind, transparent», schreibt sie.

Trotzdem scheint sie nun Bedenken an den Methoden zu hegen. «Falls sie Journalist sind und mehr darüber wissen wollen, nehmen sie direkt mit der Unia Kontakt auf.» Die Gewerkschaft will sich allerdings nicht dazu äussern. «Die Unia nimmt zurzeit öffentlich keine Stellung zu diesen Stelleninseraten oder Artikeln», sagt Mediensprecherin Silja Kohler. FDP-Nationalrat Thierry Burkart (AG) erstaunen diese Vorgänge nicht. «Die Unia hat noch nie Hemmungen gehabt, Unwahrheiten zu verbreiten», sagt Burkart. «Der Unia geht es nicht um die Sache, sondern um billige Stimmungsmache.»

Der Zeitpunkt der Aktion dürfte nicht zufällig gewählt sein. Am 24. September berät der Nationalrat das Gleichstellungsgesetz, das umstrittene Massnahmen gegen Lohndifferenzen zwischen Mann und Frau vorsieht. Der Ständerat hatte nach langem Hin und Her entschieden, dass Firmen ab 100 Mitarbeitern künftig eine Lohngleichheitsanalyse durchführen und diese extern überprüfen lassen müssen. FDP und SVP kämpfen erbittert gegen die staatlichen Auflagen und sehen den liberalen Schweizer Arbeitsmarkt bedroht.

Sollte es sich zeigen, dass die Unia tatsächlich ein Jobinserat konstruiert hat, um auf Stimmenfang zu gehen, dürfte das der Sache nicht helfen. Im Nationalrat wird ein enger Entscheid erwartet, da die Fraktionen der SVP und FDP im Nationalrat 101 von 200 Stimmen auf sich vereinen. Thierry Burkart sagt: «Wenn Unia auf Fake-News zurückgreifen muss, um die Notwendigkeit einer Änderung aufzuzeigen, zeigt dies klar, dass es keinen Handlungsbedarf gibt.»