Fabian Muster

Was für den ganzen Kanton gilt, dem kann sich auch Matzendorf nicht entziehen. Wenn bei Gemeinderatswahlen dieselbe Anzahl Kandidaten antreten, wie es Sitze zu vergeben hat, gibt es stille Wahlen. So stehts deutlich im Paragrafen 67 der politischen Rechte.

«Der Wahlakt unterbleibt, wenn es entweder eine gemeinsame Liste aller Parteien gibt oder nur soviel Kandidaten antreten wie es Sitze hat», sagt André Grolimund, Leiter vom kantonalen Amt für Gemeinden. Damit sind die sieben Kandidaten der drei Ortsparteien FdP, CVP und SP/Unabhängige für die sieben Sitze in stiller Wahl gewählt. Die Kampfwahlen entfallen, welche bereits fälschlicherweise angekündigt wurden.

«Ich bin davon ausgegangen, dass es für stille Wahlen eine gemeinsame Liste aller Parteien braucht. Das war bei uns nicht der Fall», versucht Gemeindeverwalter Kurt Nussbaumer das Missgeschick zu erklären. Daher sei er der Meinung gewesen, das Volk müsse die Sitzverteilung bestimmen. Doch nun dürfen die Matzendörfer trotzdem nicht wählen. Und das hat Folgen für die Sitzverteilung.

CVP klare Verlierer, SP Gewinner

In der nächsten Legislatur kommen im von neun auf sieben Sitze verkleinerten Rat damit die SP/Unabhängigen und die FdP auf je drei Mandate. Die CVP noch auf eins. Bisher waren die FdP mit vier, die CVP mit drei und die SP/Unabhängige mit zwei Sitzen vertreten. Klare Verliererin ist somit die CVP, Gewinnerin die SP/Unabhängige.

«Wir müssen uns selbst an der Nase nehmen, weil nicht mehr Leute gefunden werden konnten», sagt CVP-Ortspräsident Walter Winistörfer. Für sie sei halt jetzt der Zug abgefahren. Anders tönt es hingegen bei den SP/Unabhängigen: «Wir konnten nicht mit so vielen Sitzen rechnen», freut sich Ortspräsident Jürg Ottiger. Und die FdP? Sie hat mit drei Sitzen ihr Minimalziel erreicht. Ortspräsident Anton Meier war aber für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Ebenfalls klar ist damit: Das Gemeindepräsidium wird von der SP/Unabhängige oder der FdP beansprucht, die CVP bleibt auf der Strecke. Der bisherige Amtsinhaber ad interim, SP-Mann Peter Bühlmann, hat ja bereits angekündigt, nicht mehr antreten zu wollen.

Da man zuerst von Kampfwahlen ausgegangen war, sind die Stimmzettel und die Broschüren der Parteien bereits gedruckt. Die Partei-Broschüren werden laut Gemeindeverwalter Nussbaumer trotzdem an die Haushaltungen verteilt - einfach mit dem Vermerk, dass der Wahlgang nun doch ausbleibe.

Was wäre aber geschehen, wenn man die Bürger dennoch an die Urne geschickt hätte? Stephan Berger vom Oberamt Thal-Gäu erklärt: «Der Wahlgang wäre für nichtig erklärt und die sieben Kandidaten nachträglich in stiller Wahl bestimmt worden.»