«Ich werde mich an der Fraktionssitzung am Dienstag dafür einsetzen, dass die SVP den zweiten Sitz jetzt noch nicht erhält», sagt Bäumle gegenüber der Zeitung «Der Sonntag». Ein Paukenschlag mit entscheidendem Einfluss auf die Bundesratswahlen: Ohne die 14 Stimmen der Grünliberalen muss die SVP die Hoffnungen auf den zweiten Sitz begraben.

«Die Partei ist nicht in der Lage, mehr Verantwortung zu übernehmen»

Bäumle begründet seinen Kurswechsel mit «Fall Zuppiger»: «Die SVP hat nach diesem Trauerspiel ihren Anspruch auf einen zweiten Sitz verspielt. Der Umgang der SVP mit Zuppiger ist unwürdig und zeigt, dass die Partei nicht in der Lage ist, in der Regierung mehr Verantwortung für das Land zu übernehmen».

Innert weniger Stunden habe die SVP-Führung «ihren Favoriten Zuppiger wie eine heisse Kartoffel fallen lassen», obwohl dieser seine Partei in den Grundzügen über den Erbschafts-Fall informiert habe, kritisiert Bäumle, der Zuppiger gut kennt und an dessen Unschuld glaubt: «Ich halte zu Bruno Zuppiger. Er hat Fehler gemacht, aber ich glaube nicht, dass er sich bereichern wollte. Ich hätte erwartet, dass auch die SVP-Führung zu Zuppiger hält, statt ihn öffentlich hinzurichten». Bäumle ist überzeugt: «Gewisse Kreise in der SVP wollen den zweiten Sitz gar nicht. Es gab Mitwisser innerhalb der Partei, die nicht verhindert haben, dass er ins offene Messer läuft. Mit dieser neuen Ausgangslage ist die Abwahl eines bisherigen Bundesrats kaum mehr zu rechtfertigen».

Kratzer am Charakter Hansjörg Walters

Massive Kritik übt Bäumle auch an SVP-Ersatzkandidat Hansjörg Walter. Das Zuppiger-Debakel habe auch Walter beschädigt: «Wie er sich ohne ein Wort des Bedauerns für Zuppiger innerst Stunden als Notnagel der Parteileitung hat installieren lassen, hinterlässt Kratzer an seinem Charakter». Sowieso stelle sich ganz grundsätzlich die Frage, «ob es richtig wäre, einen nicht überzeugenden, aber gewählten Bundesrat und ehemaligen Unternehmer durch einen Vertreter der grössten Subventionsempfänger zu ersetzen», sagt Bäumle in Anspielung auf den Bauernverbandspräsidenten.$

Dass dieser als amtierender Nationalratspräsident ins Bundesratsrennen steigt, kritisiert Bäumle massiv: «Als Nationalratspräsident gegen eine amtierende Bundesrätin kandidieren ist inakzeptabel».