Michael Nittnaus

«Ich will meine Tätigkeiten als Landwirtin und Biologin nicht aufgeben. Dazu liebe ich sie zu sehr.» Dies nennt Ursula Kradolfer als Hauptgrund, weshalb sie bei den Beamtenwahlen vom 27. September nicht für das Gemeindepräsidium von Dornach kandidiert. Die Spitzenkandidatin und Hoffnungsträgerin der Freien Wähler hatte bei den Gemeinderatswahlen Mitte Mai mit 939 Stimmen das beste Resultat aller Kandidaten erzielt.

Weil sie dabei auch Ammann Kurt Henzi der FdP um fast 200 Stimmen hinter sich liess, wurden Erwartungen geschürt, Henzi bereits vier Jahre vor seiner Pensionierung ablösen zu können.

«Dass mir die Öffentlichkeit dieses Amt zutraut, ist natürlich schmeichelhaft. Andererseits kreiiert das auch Druck, die persönlichen Bedürfnisse zurückzustellen», erklärt die 46-Jährige. Die Entscheidung, mit der sie auch ihre Partei enttäuscht, sei Kradolfer nicht leicht gefallen. Ausschlaggebend war das politische System des Bezirkhauptortes. Dornach ist die einzige Gemeinde des Schwarzbubenlandes mit einem vollamtlich tätigen Ammann.

«Hätten wir das Ressortsystem mit einem Gemeindeverwalter und einer Präsidiumsstelle von 50 Prozent, so wäre ich wohl angetreten und hätte mir durchaus Chancen ausgerechnet.» Kradolfer interessiert dabei vor allem die politische Arbeit. Beim heutigen System würde allerdings die Verwaltung die meiste Zeit beanspruchen.

Geteilte Meinungen zum Ressortsystem

«Die Schwäche der Gremien ist Henzis Stärke», kritisiert Kradolfer dessen Machtfülle. Sie hofft nun darauf, dass Henzi seinen «nicht mehr zeitgemässen Führungsstil anpasst und seine Entscheide für die Bevölkerung nachvollziehbarer macht». «Kradolfer soll erst einmal selbst Verantwortung übernehmen, bevor sie meinen Führungsstil bemängelt», reagiert Henzi auf die Vorwürfe und hält fest: «Ich kandidiere für das Präsidialamt - mit oder ohne Gegner.»

Für die Freien Wähler gilt das Augenmerk nun der Einführung des Ressortsystems. Ein idealer Zeitpunkt sei der Rücktritt von Henzi 2013. Erst gelte es jedoch, das deutliche Volks-Nein zum gleichen Anliegen von vor zehn Jahren zu analysieren und das Gespräch mit den anderen Ortsparteien zu suchen. Für Henzi und die FdP ist klar: «Es braucht jemanden, der die Fäden in der Hand hält.» Auch die SP und die SVP sehen es ähnlich.

«Das Vollamt ist ein Glücksfall für Dornach, das Volk wird das heute genauso sehen wie vor zehn Jahren», sagt Beat Ehrsam von der SVP. Die CVP Dornach unterstützt die Freien Wähler dagegen. Allerdings äussert Präsident Hans Voegtli auch die Befürchtung, «dass es dann viel schwieriger wird, Leute für das Gemeinderatsamt zu finden, weil es aufwändiger wird».