Die letzten Parteienhearings am Dienstag brachten vollends Klarheit für Karin Keller-Sutter. Die FDP-Favoritin für die Nachfolge von Johann Schneider- Ammann vermochte in den Anhörungen erneut zu punkten. Die SP sprach sich klar für die St. Gallerin aus, BDP und GLP auch. Gegenkandidat Hans Wicki hatte zwar ordentliche Auftritte, aber das reichte wie schon letzte Woche bei der SVP nicht. Die CVP gibt keine Empfehlung ab, beide Kandidaten wiesen «die nötigen Qualifikationen auf», sagte Fraktionschef Filippo Lombardi.

Komplizierter ist der Fall bei der Neubesetzung des CVP-Sitzes, den Doris Leuthard freigibt. Dort stehen sich die Walliser Nationalrätin Viola Amherd und die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen gegenüber. Amherd vermochte zwar bei den kleineren Fraktionen stärker zu punkten: Sowohl BDP als auch GLP sprechen sich klar für sie aus. Auch bei den Grünen gibt es eine Mehrheit für Amherd, wie Fraktionschef Balthasar Glättli zu verstehen gab.

Aber: Erst heute will sich die SP (55 Stimmen in der Bundesversammlung) in Sachen CVP-Sitz festlegen. Zwar wird der SP seit Wo- chen eine klare Präferenz für Amherd nachgesagt. Und der lange Applaus nach dem Hearing mit Amherd schien diesen Eindruck zu unterstreichen. Dennoch hätten einige SP-Mitglieder von der Walliserin einen stärkeren Auftritt erwar- tet. Sie sei bisweilen etwas oberflächlich geblieben, hiess es. Andererseits schlug sich Z’graggen im Hearing laut diversen Zeugen respektabel.

Entscheid vertagt

Die SP entschied am Dienstag, die Diskussion über den CVP-Sitz zu unterbrechen und erst am Mittwoch früh zu entscheiden. Um 7.15 Uhr kommt die Fraktion noch einmal zusammen. Es sei möglich, dass die SP Stimmfreigabe beschliesse, sagte Fraktionschef Roger Nordmann.

Die FDP (46 Stimmen) gibt keine Empfehlung ab, was die beiden CVP-Kandidatinnen betrifft. Beide seien wählbar, hiess es.

Bauern eher für Amherd

Die SVP (74 Stimmen) hatte sich bereits letzte Woche mehrheitlich für Z’graggen entschieden. Sie erhieltin der Fraktion 38 Stimmen, Amherd deren 10. Namentlich die Bauern tendieren mehrheitlich zu Amherd.

Kurzum: Trotz der diversen Unwägbarkeiten hat Amherd die Nase vorn. Sie hat gute Aussichten, am Mittwoch auf die maximal nötigen 124 der 246 möglichen Stimmen zu kommen. Wenn nicht eine grosse Überraschung geschieht, wird sie die erste neue Bundesrätin. Ihr folgt dann in der zweiten Ausmarchung die St. Gallerin Karin Keller-Sutter.

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