Sie pendeln täglich mit dem Zug zur Arbeit und zurück? Dann kennen Sie diese Situation ganz bestimmt aus eigener Erfahrung.

Sie steigen in den erstbesten Waggon ein, doch dort hat es bereits mehr Passagiere als Sitzplätze. Somit bleiben ihnen nur zwei Möglichkeiten: entweder irgendwo im Gang stehenbleiben, eingequetscht zwischen anderen Pendlern. Oder Sie laufen so lange durch den Zug, bis Sie doch noch einen unbesetzten Platz finden.

Der neue SBB-Trick

Jetzt starten die SBB einen Versuch, dass die Passagiere sich bereits beim Einsteigen besser auf die Waggons verteilen. Richten soll es ein neuer Service, den die SBB selber «wagenscharfe Belegungsprognose» nennen und von den Reisenden per sofort genutzt werden kann.

Seit gestern zeigen Grafiken an, welche Waggons des Zuges besonders gut besucht sind. Bislang wurde die Belegung nur für ganze Zugskompositionen angezeigt. Möglich ist die Abfrage derzeit aber nur über die Website der SBB. Zukünftig soll die Info dann aber auch über die App abgerufen werden können – und noch in fernerer Zukunft auch auf den Anzeigetafeln an den Perrons angezeigt werden.

Und so sieht das aus

Gemäss diesem Beispiel sollte man Waggon vier meiden und lieber im ersten Wagen in Sektor A einsteigen.

Gemäss diesem Beispiel sollte man Waggon vier meiden und lieber im ersten Wagen in Sektor A einsteigen.

Dank dem neuen Service «können sich die Kunden so auf dem Perron platzieren, damit sie direkt in einem Wagen mit freien Sitzplätzen einsteigen können», so SBB-Sprecher Christian Ginsig, «und sie müssen auf der Suche nach freien Sitplätzen nicht durch mehrere Wagen laufen.»

Die SBB erhoffen sich zudem einen schnelleren Fahrgastwechsel und damit einen positiven Einfluss auf die Pünktlichkeit. 

Die Daten des neuen Services beruhen in erster Linie auf Erfahrungswerten. Sprich die Belegungsprognose wird auf der Grundlage von Fahrgasterhebungen gemacht, ergänzt durch Prognosedaten. Wie zum Beispiel der Einfluss von schlechtem Wetter auf die Zahl Reisender. Oder das Verkehrsaufkommen an Feiertagen. Ebenfalls in die Daten mit ein fliessen Gruppenreservierungen, wie Christian Ginsig schreibt.

Die Kritik

Pro Bahn steht dem neuen Service skeptisch gegenüber. «Wagenspezifische Informationen über die Belegung machen nur dann Sinn, wenn die Daten in Echtzeit erhoben werden. Ansonsten ist die Realität eine andere und der Nutzen entsprechend geringer», sagt Karin Blätter, Präsidentin der Interessensvertretung der Fahrgäste zu watson.

Für sie steht fest: «Im heutigen digitalen Zeitalter müsste die SBB in der Lage sein, die Belegung in Echtzeit anzugeben.» Wie die Bundesbahnen dies umsetzen sollen, lässt Pro Bahn offen.