Das zumindest befürchtet die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV), wie deren Direktor Stefan Schulthess am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Der Schaden sei "sehr hoch", vermutlich im "siebenstelligen Bereich".

Grund sei, dass wahrscheinlich viele teure Geräte ausgetauscht werden müssten. "Das Wasser lief in die Küche, in die Heizung und teilweise in die Kühlzellen der Gastronomie." Müssten all diese Maschinen und Geräte ersetzt werden, werde es "teuer".

Mehrere Lecks

Die handgrossen Lecks am Rumpf zu reparieren, würde bei der Endrechnung im Vergleich dazu nicht gross ins Gewicht fallen. Ein von der SGV der sda zur Verfügung gestelltes Bild zeigte den zerkratzten und an mehreren Stellen aufgerissenen roten Rumpf an der Backbordseite der MS Diamant. Das Bild wurde laut Angaben des Unternehmens am Freitag in der Werft der SGV in Luzern aufgenommen.

Gemäss SGV-Direktor Schulthess werden die Reparaturen lange dauern. Wie lange, ist abhängig von den Lieferfristen für Ersatzteile und Ersatzgeräte.

Rückkehr nach Luzern am Freitag

Am Freitag war es Polizeitauchern gelungen, unter Wasser das letzte Leck der MS Diamant provisorisch abzudichten. Feuerwehrleute aus Kehrsiten, Stansstad, Beckenried, von der Stützpunktfeuerwehr Stans und der Stadtfeuerwehr Luzern konnten genügend Wasser aus dem Schiff pumpen, um es zu stabilisieren, wie die Nidwalder Kantonspolizei mitteilte.

Am späten Freitagvormittag fuhr die MS Diamant aus eigener Kraft über den See in den Heimathafen nach Luzern. Die Schiffsmotoren hatten den Unfall unbeschädigt überstanden, weil in den Motorenraum kein Wasser gelaufen war, wie Schulthess weiter sagte. Zur Sicherheit wurde das havarierte Schiff von weiteren Schiffen begleitet.

An Felsen entlang geschrammt

Der Unfall hatte sich am Donnerstagabend gemäss Schulthess bereits 400 Meter vor der Schiffstation Kehrsiten ereignet. Die MS Diamant schrammte einem Felsen unter Wasser entlang. Der Felsen schlug mehrere Lecks in die linke Seite (backbord) des Motorschiffs.

Drei Schotten liefen darauf mit Wasser voll. "Das Schiff blieb aber manövrierfähig und konnte die Station Kehrsiten aus eigener Kraft ansteuern", sagte Schulthess. Die Passagiere und Besatzung konnten das Schiff in Kehrsiten ganz normal über den Schiffssteg verlassen. Sie kamen alle mit dem Schrecken davon.

Gemäss Schulthess war das Schiff für eine geschlossene Gesellschaft gebucht. Die dreistündige Kursfahrt war in Kehrsiten-Bürgenstock gestartet. Der Unfall geschah kurz vor dem Ende der Vergnügungsfahrt.

Ursache unklar

Warum es am Donnerstagabend kurz nach 21 Uhr zum Unfall kam, ist unklar. Die Kantonspolizei und die Staatsanwaltschaft Nidwalden sowie die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) haben eine Untersuchung eingeleitet.

Die MS Diamant ist erst seit diesem Jahr in Betrieb. Das 15,5 Millionen Franken teure Motorschiff hatte im Mai seine Jungfernfahrt absolviert. Das Schiff wurde in der Werft der SGV gebaut.

Das Schiff ist rund 64 Meter lang und 14 Meter breit und bietet auf fünf Decks Platz für 1100 Fahrgäste. Das Motorschiff spart dank des leichten Gewichts, der Rumpfform und des Hybridantriebs rund 20 Prozent Energie ein gegenüber einem konventionellen Schiff.

Seit dem 25. Mai ist das MS Diamant täglich zwischen Luzern nach Flüelen UR unterwegs. Gemäss der SGV hat der Unfall der MS Diamant keine Auswirkung auf den ausgedünnten Winterfahrplan auf dem Vierwaldstättersee. Andere Schiffe würden an deren Stelle eingesetzt, hiess es.

An der Anlegestelle Kehrsiten-Bürgenstock war es bereits am 20. September 2004 zu einem Schiffsunfall gekommen. Damals prallte das Motorschiff "Brunnen" in die Hafenmauer. Sieben Passagiere wurden verletzt. Die Untersuchung ergab, dass der Schiffsführer den Autopiloten des Schiffs falsch bedient hatte.