«Wenn sogar ein 9 Jahre altes Kind wie ich die Mathe-Matura bestehen kann, dann schafft ihr die auch.» Mit diesen Worten macht der unterdessen 10-jährige Maximilian Janisch jenen Schülern Mut, die bis zu den Maturaprüfungen seine Online-Nachhilfestunden in Anspruch nehmen.

Etwas verloren sitzt der bleiche Junge im Studio des Online-Kurs-Anbieters Diplomero im Zürcher Binzquartier und steigt ohne grosse Umschweife ein. Mit dem Eifer eines 10-Jährigen, den mathematischen Kenntnissen eines Mathematik-Studenten und den Worten eines Erwachsenen strukturiert er seinen Nachhilfeunterricht für Maturanden.

Im Studio ist es eng. Der Raum ist hell ausgeleuchtet. Immer wieder schielt Maximilian zu seiner Mutter, die ebenfalls dasitzt und ihm zunickt und Mut macht.

Maximilian Janisch erteilt Maturanden Lektionen in Mathe

Maximilian Janisch erteilt Maturanden Lektionen in Mathe

10 Minuten für eine Lektion

Vor ihm ein Touchscreen, über den eine Folie die andere jagt. Diese hat er zuvor anhand der Notizen seines Vaters vorbereitet, eines emeritierten Mathematikprofessors. Es geht um Funktionen: Maximilian definiert x- und y-Achse, benennt die unabhängige Variable x und die Funktion von x, gleichlautend mit y also, der von x abhängigen Variable.

In rascher Abfolge erläutert er, wie man Funktionen grafisch darstellen kann. So weit, so klar: Rasend schnell fallen die Worte, rasend schnell sind auch die zehn Minuten verstrichen, die Dauer einer Online-Lektion über den Stoff, den Maximilian als 9-Jähriger bereits letzten Frühsommer beherrschte und so die Mathe-Maturaprüfungen mit Bestnoten bestand.

Hochbegabte unter sich

Nicht minder dicht als die Lektion ist an diesem schulfreien Mittwochnachmittag Maximilians Programm gedrängt: Eine Stunde bleibt Zeit, dann hat er bereits die nächste Verabredung an der Universität Zürich. Dort nimmt sich ein Tutor seiner an: Camillo de Lellis, ein Italiener, Professor der Reinen Mathematik. Wie Maximilian war er als Kind höchstbegabt. Nur hats keiner gemerkt.

Das Tutorat mit dem Mathematikprofessor rührt von einer Vereinbarung mit der Universität Zürich, die den Buben aus dem luzernischen Meierskappel zwar nicht als regulären Studenten aufnehmen wollte, ihm und seinen Eltern aber ein spezielles Förderprogramm anbot («Die Nordwestschweiz» berichtete). Nach all den Schlagzeilen, welche Maximilian vorher über sich las, ist seither etwas Ruhe eingekehrt. Nicht zuletzt, weil die Uni Zürich und Maximilians Gymnasium in Immensee SZ der Familie empfahlen, den Kontakt zu den Medien nicht mehr zu suchen.

Es macht Spass

An diesem Tag aber ist alles anders. Max und seine Eltern sind bei den Online-Dozenten von Diplomero zu Gast, die auch die Medien eingeladen haben. Deren Mitgründer Max Meister erkannte in Maximilian das Werbepotenzial, fragte die Eltern an und heuerte ihn schliesslich als jüngsten Online-Dozenten an.

Einen Vertrag gibt es noch nicht. Bei den ersten Dreharbeiten handelt es sich um einen Testlauf. Doch bereits können Interessierte Online-Nachhilfe buchen. Für 69 Franken, das der Vorzugspreis für Frühbucher. Das Geld fliesst auch zu den Dozenten. Maximilian erhofft sich einen Taschengeldzustupf.

Der 10-jährige Max nun also ein Lehrer – macht ihm das Spass? «Ja, absolut», sagt er strahlend. Seiner Mutter Monika Janisch ging der Medienrummel näher als ihrem Mann Thomas Drisch. Nach dem Lesen der ersten, boshaften Online-Kommentare, die Maximilian und seinen Eltern entgegenschlugen, liess er das fortan bleiben.

Es waren Kommentare, die das «arme Kind» mit seinen «Rabeneltern» bemitleideten, die ihm mit ihrer Mathematik-Förderung die Kindheit wegnehmen würden. «Ich verstehe nicht, dass einem 10-jährigen Kind Hass entgegenschlagen kann, das nichts anderes macht, als sich für Mathematik zu interessieren», so Maximilians Mutter.