Letzteres ist wesentlich: Die Gegner haben sich dazu entschlossen die Initiative nicht einfach zu bodigen, sie bieten eine Alternative. Konsequenterweise müssten sie aufzeigen, wieso der Gegenvorschlag der Initiative vorzuziehen ist, sagt Politologe Laurent Bernhard, der im Rahmen des Forschungsprojekts NCCR Democracy eine Dissertation zu Abstimmungs-Kampagnen in der Schweiz geschrieben hat und die Studie im Buch «Campaign strategy in direct democracy» veröffentlichte.

Zu abstrakte Aussagen

Doch in ihrer Kampagne hebt Economiesuisse nicht die Vorzüge der Alternative hervor. «Die Gegner warnen, dass die Initiative schlecht für die Wirtschaft sei und auch die KMU und die kleinen Bürger betreffe. Im Zusammenhang mit der Abzockerei sind solche Aussagen zu abstrakt und für die Stimmbevölkerung wenig plausibel», sagt Bernhard.

Kommt hinzu, dass auch die grosse Publizität des Themas den Initianten dient, wie Bernhard sagt. Je intensiver die Debatte geführt werde, desto eher würden sich die Leute eine eigene Meinung bilden und sich nicht von Werbung beeinflussen oder manipulieren lassen. Trotzdem nimmt auch das Pro-Komitee um Thomas Minder Geld in die Hand – ein Vierzigstel des Betrags der Gegner, rund 200000 Franken. Auch hier sei das Geld zum Fenster hinausgeworfen, meint der Experte. Die Inserate zielten nämlich nicht nur am Inhalt der Vorlage vorbei: Anstatt die Vorzüge der Initiative anzupreisen, warnen sie vor einem Referendum nach der Abstimmung. Rein formal ist das richtig, aber unwahrscheinlich.

Politische Koalition entscheidend

Zwischen dem finanziellen Aufwand und dem Erfolg an der Urne besteht laut dem Politologen nur ein geringer statistischer Zusammenhang von wenigen Prozentpunkten. Erst wenn eine Abstimmung knapp ausfalle, könne sich die Investition als entscheidender Faktor erweisen – wie bei der Unternehmenssteuerreform 2008.

Bernhard nennt drei Faktoren, die für den Erfolg der Initianten sprechen. Erstens helfen ihnen glückliche Umstände wie der Rücktritt von Novartis-Präsident Daniel Vasella, der sich sein fünfjähriges Konkurrenzverbot vergolden lässt. Zweitens das Kriterium, das fast jede Abstimmung zu Fall bringen kann: die erodierenden Koalitionen. Hanspeter Kriesi, ehemaliger Direktor von NCCR Democracy und Professor in Florenz, hat bei über 200 Abstimmungen festgestellt, dass der entscheidende Faktor die politische Koalition ist. Wenn mindestens drei Regierungsparteien geschlossen hinter einer Vorlage stehen, hat sie beste Aussichten auf Erfolg. Falls die Koalition bröckelt, droht eine Niederlage.

Schliesslich zeigen die neusten Umfragewerte: 65 Prozent stimmen der Initiative zu, 25 Prozent sind dagegen. Nur 10 Prozent sind noch unentschlossen. Laut Bernhard sind aufgrund der lange währenden Debatte die Meinungen gefestigt. Das Potenzial sei weitgehend ausgeschöpft.