Zuerst läuft alles nach Plan. Swissairflug 111 startet um 20.18 Uhr vom Flughafen John F. Kennedy in New York mit dem Ziel Genf. Nichts weist darauf hin, dass keiner der 215 Passagiere und 14 Besatzungsmitglieder diesen 2. September 1998 überleben wird.

Dass etwas nicht stimmt, ist knapp eine Stunde nach dem Start klar. Die Piloten melden sich bei der Flugsicherheit. «We have smoke in the cockpit.» Seine Stimme ist ruhig, der Funkspruch klingt nach Routine. Niemand ahnt, dass sich hier die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der Swissair anbahnt.

An Bord des Flugzeugs des Typs MD11 der Firma Boeing brennt es zu diesem Zeitpunkt bereits. Spürbar ist das Feuer aber nur in Form des Rauches, den die Piloten im Cockpit wahrnehmen. Sie glauben an ein Problem mit der Klimaanlage und beschliessen zu landen.

«Bisch du i de Emergency-Checkliste für AirconditioningSmoke?», hört man Urs Zimmermann (49†) sagen. Aus Versehen funkt er den Satz, der für seinen Co-Piloten Stephan Löw (36†) bestimmt ist, an die Flugsicherheit. Der Funkverkehr wird später veröffentlicht und kann mittlerweile auf einer Website, die an die Opfer erinnert, nachgehört werden.

Kurzschluss und Kabelbrand

Viereinhalb Jahre nach dem Absturz der Swissair 111 kommen Spezialisten der kanadischen Transportsicherheitsbehörde zum Schluss, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Kurzschluss an einem Kabel des Unterhaltungsprogramms Funken schlug. Es ist nachträglich eingebaut worden. Eine Kabelhülle eines Kupferdrahtes scheuerte sich vermutlich an einer Metallstrebe auf. Es kam zu einem Lichtbogen. Daraufhin fing das Isolationsmaterial Feuer, das eigentlich feuerfest hätte sein sollen.

Swissair-MD-11-Absturz, die grösste Katastrophe der Schweizer Luftfahrt

Swissair-MD-11-Absturz, die grösste Katastrophe der Schweizer Luftfahrt

Am 2. September jährt sich zum zwanzgisten Mal die grösste Katastrophe der Schweizer Zivilluftfahrt. 229 Menschen kamen beim Absturz einer Swissair MD-11 bei Halifax ums Leben. Ein Kurzschluss und brennbare Materialien im Cockpit führten zum Unglück.

Die Piloten bemerken das Feuer lange nicht. Die Flugsicherheit weist die Swissair-Piloten an, im kanadischen Halifax zu landen. Weil die MD11 schon zu hoch fliegt, beschliessen die Piloten eine Linkskurve zu fliegen, um die Flughöhe zu verringern. Sie wollen auch noch Kerosin über dem Meer ablassen. Der viele Treibstoff für den Flug nach Genf würde bei einer Notlandung zur Gefahr.

Parallel zu diesem Manöver arbeiten sie die Checkliste ab, die ihnen die Swissair für Fälle von Rauchentwicklung zur Hand gab. Ein Punkt ist die Abschaltung der Kabinenbelüftung. Das Umlegen dieses Schalters hat fatale Folgen. Die Lüftung saugt die Flammen vom Cockpit weg in den Bereich über der Kabine.

Dort glimmen sie hinter der Verkleidung und bleiben von den Fluggästen unbemerkt. Das legt später die Untersuchung nahe. Rauchmelder, die über den Ort des Feuers Auskunft hätten geben können, gibt es nicht.

Als der Luftsog zusammenbricht, wechseln die Flammen die Richtung und zerstörten die Fluginstrumente der Piloten. Der Autopilot fällt als Erstes aus. Warntöne durchdringen das Cockpit.

Die Piloten müssen das Flugzeug nun von Hand durch die Nacht steuern. Die Untersuchung ergibt später, dass die Piloten keine Schuld trifft. Sie hätten den Absturz auch mit einer sofortigen Landung nicht verhindern können.

Sie setzten einen weiteren Funkspruch ab: «Wir lassen nun das Kerosin ab und müssen sofort landen.» Der Fluglotse macht den beiden Mut: «Nur noch ein paar Meilen, ich bin gleich bei euch.» Es ist nun 21.25 Uhr. Die Situation im Cockpit spitzt sich zu. «We are declaring emergency now, Swissair 111», dringt über den Funk nach draussen.

Die Stimme klingt immer noch ruhig. Der Lotse gibt schliesslich die Erlaubnis zum Ablassen des Kerosins. Er bekommt keine Antwort mehr. Um 21.31 Uhr stürzt die MD11 vor der kanadischen Küste ins Meer.