Gewitter, Regen, Temperaturabfall: Der lange Hitzesommer ist ab heute vorbei. Am Samstag sinken die Temperaturen weiter. Es wird in einigen Schweizer Städten das kühlste Wochenende seit Ostern. Zeit für einen Rückblick auf den heissesten Sommer der letzten Jahre: Das sind die Zahlen, Bilder und Infos zu den letzten Wochen.

1. Die höchsten Temperaturen des Jahres

Den Hitzerekord hat dieses Jahr Sitten (VS) geknackt: Am 5. August herrschten dort 36,2 Grad. Doch gegen den Rekord des Hitzesommers 2003 ist das noch nichts: Damals wurden am 11. August in Grono (GR) 41,5 Grad gemessen.

Fast so heiss war es im Aargau: Mehrere Aargauer Orte gehörten regelmässig zu den heissesten der Schweiz. Auch der Zürcher Flughafen und Gösgen waren immer wieder unter den heissesten Messstationen der Schweiz. 

Hitzetage gab es diesen Sommer viele. Hier: Ein Hitzetag am "Strändli" in Boningen.

Hitzetage gab es diesen Sommer viele. Hier: Ein Hitzetag am "Strändli" in Boningen.

2. Sonnenscheinrekorde

Der Juli lieferte sowohl auf der Alpensüdseite so wie auch nördlich der Alpen Rekorde, was die Sonnenscheindauer anbelangt. Locarno erfuhr mit 320 Sonnenstunden den sonnenreichsten Juli seit Beginn der Aufzeichnungen. So auch Genf (335 Stunden) und Pully (329 Stunden). In Luzern, Neuenburg und Lugano war es der zweitsonnigste Juli seit Beginn der Aufzeichnungen. In Lugano wurde der Rekord nur knapp verpasst: 307 Stunden waren es im Juli 2018, 308 Stunden im Hitzesommer 1984.

Abendstimmung im Herbst auf dem Sonnenbergturm auf dem Sonnenberg zwischen Möhlin, Zeiningen und Magden. Blick in Richtung Westen, ins Baselbiet über Magden.

Abendstimmung im Herbst auf dem Sonnenbergturm auf dem Sonnenberg zwischen Möhlin, Zeiningen und Magden. Blick in Richtung Westen, ins Baselbiet über Magden.

3. Die Invasion der Wespen, Borkenkäfer und Buchsbaumzünsler

Nicht nur die Temperaturen und der Sonnenschein sorgten diesen Sommer für Rekorde. Auch ein meist unbeliebtes, gelb-schwarzes Insekt zeigte sich im Hitzesommer öfter als sonst: Die Wespe. Weil die Tiere wegen der Trockenheit kaum Nahrung finden, versuchen sie, sich am Essen der Menschen zu bedienen. Aus diesem Grund sind sie diesen Sommer auch aggressiver.

Der Borkenkäfer und der Buchsbaumzünsler wüteten diesen Sommer ebenfalls in der ganzen Schweiz. Der Borkenkäfer kann ganze Wälder vernichten und sich besonders bei warmen Temperaturen schnell vermehren. Auch der Buchsbaumzünsler ist ein gefährlicher Gefährte: der Schädling befällt Buchsbäume und kann sie ebenfalls komplett zerstören. Obwohl er Hitze eigentlich nicht gut erträgt, war er diesen Sommer fleissig unterwegs.

Dauereinsatz für Wespenjäger

Dauereinsatz für Wespenjäger

  

4. Ausgetrocknete Gewässer

In der gesamten Schweiz haben die Gewässer geschwitzt. Seen, Bäche und Flüsse führen weniger Wasser, als sie dies normalerweise tun. Gewisse sind sogar fast komplett ausgetrocknet. Die tiefen Wasserstände brachten auch Abfall und andere, ins Wasser geworfene Gegenstände ans Tageslicht: In der Reuss wurde beispielsweise eine Vespa entdeckt.

Diese Vespa wurde kürzlich von einem Passanten in der Reuss entdeckt.

  

5. Fatalitäten

Die Hitze brachte auch Gefahren für den Menschen mit sich. Mindestens drei Personen sind dieses Jahr in Gewässern ertrunken. Ausserdem gab es mindestens neun Bergtote. Denn bei schönem Wetter zieht es mehr Leute in die Berge. Wegen des schmelzenden Frosts ist dies im Sommer gefährlicher, Geröll und Steine kommen dann ins Rutschen. 

6. Hungrige Kühe

Wegen der Trockenheit hatten Bauern dieses Jahr nicht genug Futter, um ihre Kühe und Rinder zu enähren. Es blieben zwei Optionen: Verkauf oder Notschlachtung. Weil es über Wochen nicht regnete, war dieser Sommer deshalb für viele Bauern noch schlimmer als der Hitzesommer 2003. Dann gab es ab und zu Gewitterregen.

Wegen Dürre: Diesen Milchkühen droht der Schlachthof

Wegen Dürre: Diesen Milchkühen droht der Schlachthof

7. Ein aussergewöhnliches Bild

Die Zürcher Stadtpolizei teilte im Juli ein kurioses Foto: Ihre Polizeihunde trugen wegen des heissen Asphalts Schuhe. Denn dieser wird bei sommerlichen Temperaturen bis zu 55 Grad heiss. Fast wie Söckchen sieht die Fussbekleidung der Vierbeiner aus. Das Bild war eine herzige Abwechslung zum manchmal fast unerträglich heissen Alltag. 

Weil der Asphalt brennend heiss wurde, trugen die Hunde der Stadtpolizei Zürich Schuhe.

Weil der Asphalt brennend heiss wurde, trugen die Hunde der Stadtpolizei Zürich Schuhe.

6. Feuerverbote in vielen Kantonen

Viele Kantone und Gemeinden reagierten auf die enorme Trockenheit und erliessen Feuerverbote. In einigen Gebieten war das Feuern nur in Waldnähe (200 Meter) nicht erlaubt. In den Kantonen Aargau, Baselland, Appenzell Ausserrhoden, Luzern, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Zug, Tessin, Wallis, St. Gallen, Thurgau, Appenzell Innerrhoden und in Teilen von Graubünden galt Ende Juli ein komplettes Feuerverbot: Kein Feuerwerk, keine offenen Feuer, keine Holzkohlengrills. Ein aussergewöhnlicher Nebeneffekt war der ruhige Nationalfeiertag: Einen 1. August ohne Feuerwerk und Böller gab es wohl schon lange nicht mehr. Einige Gemeinden griffen zu kreativen Lösungen: Anstelle von Lampions und Feuerwerk gab es LED-Lampions und Lasershows.

Kantonaler Grillgraben

Kantonaler Grillgraben: Wo darf gefeuert werden?

  

9. Hitzefrei

Wegen der enormen Hitze durften einige Angestellte die Arbeit niederlegen. So beispielsweise bei der Stadtverwaltung Brugg, die ihre Schalter bei den hohen Temperaturen jeweils am Mittag schloss. Doch nicht nur Menschen hörten mit der Arbeit auf: Auch die Limmatschiffe erhielten hitzefrei. Sie fuhren rund eine Woche nicht, weil die Temperaturen unter den Glasdächern der Schiffe kaum zumutbar waren – sowohl für Gäste als auch für das Personal.

Hitzefrei für "Felix" und die zwei anderen Limmatschiffe. Aufgrund der grossen Hitze verkehrten sie vorübergehend nicht mehr.

Hitzefrei für "Felix" und die zwei anderen Limmatschiffe. Aufgrund der grossen Hitze verkehrten sie vorübergehend nicht mehr.

10. Einflüsse auf die Umwelt

Wegen eines heftigen Sommergewitters schwoll ein Bach im Walliser Dorf Chamoson so stark an, dass eine Schlammlawine durch das Dorf rollte. Glücklicherweise wurden keine Menschen verletzt, es entstand jedoch ein beträchtlicher Sachschaden.

Gewaltige Schlammlawine rollt durch Walliser Dorf

Gewaltige Schlammlawine rollt durch Walliser Dorf.

Die Hitze führt ebenfalls dazu, dass die Schweizer Gletscher immer kleiner werden. Dieses Jahr war die Auswirkung besonders gross: Kleine Gletscher sind praktisch nicht mehr zu retten. Die grösseren brauchen dringende Klimaschutz-Massnahmen, um weiterhin bestehen zu können. 

11. Verfrühte Ernte

Apfelsorten, die sonst erst Ende August bis Mitte September reif sind, mussten dieses Jahr bereits Anfangs August geerntet werden. Wegen der Hitze sind die Früchte schneller reif, aber auch kleiner: Denn die Trockenheit hat dazu geführt, dass sie nicht genügend Wasser erhalten haben. Im Aargau wird deshalb seit Wochen schon fleissig gemostet.

Die überdurchschnittlich hohen Temperaturen führten auch zu einer Rekordernte bei den Kirschen. Jedoch landeten so zu viele Kirschen auf einmal in den Geschäften. Da die Früchte nicht lange gelagert werden können, versuchten viele Detailhändler, die Kirschen durch Sonderpreise loszuwerden. Auch Zwetschgen werden schon seit Mitte August geerntet: Wegen der Hitze sind sie prall und süss.

Die Mostpresse von Dieter Bürgi in Olsberg war bereits mehrfach in Betrieb.

Die Mostpresse von Dieter Bürgi in Olsberg war bereits mehrfach in Betrieb.

12. Das grosse Fischsterben

Steigt die Wassertemperatur, sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser. Das führt zum Tod vieler Fische, die auf den Sauerstoff unter Wasser angewiesen sind. Im Rhein sind dieses Jahr wegen der Hitze tausende Fische gestorben: Rund eine Tonne toter Fische waren es alleine in Schaffhausen. Auch im Aargau war das Fischsterben in den letzten Wochen vermehrt ein Thema. Besonders in kleineren Gewässern, die schnell eine hohe Temperatur erreichen, starben viele Tiere. Schweizweit war man besorgt, dass die Äschen und Forellen stark unter der Hitze leiden: Experten schätzen, dass rund 90 Prozent der Schweizer Äschen wegen der Hitze sterben könnten. Durch Abfischung und das Aussetzen von Jungtieren versucht man, dem Fischsterben entgegenzuwirken.

Wegen Hitze: Hunderte Fische sterben im Rhein

Wegen Hitze: Hunderte Fische sterben im Rhein

13. Zum Wassersparen verdonnert

Über Wochen kein einziger Regentropfen: Die Hitze führte auch zu einer Wasserknappheit. Um einen Wassermangel zu vermeiden, musste also gespart werden. Im Kanton Aargau begann dies mit einem Aufruf zum Wassersparen. Bald folgten in einigen Gemeinden jedoch ausdrückliche Verbote: Der Rasen durfte nicht mehr gewässert, das Auto nicht gewaschen und Pools nicht gefüllt werden.

Trocken gelegter Brunnen im bündnerischen Malans. Das Dorf hat angesichts der anhaltenden Trockenheit mehrere Brunnen abgestellt, um Wasser zu sparen.

Trocken gelegter Brunnen im bündnerischen Malans. Das Dorf hat angesichts der anhaltenden Trockenheit mehrere Brunnen abgestellt, um Wasser zu sparen.

14. Trendige Böötli

Farbige Einhörner, riesige Orangenschnitze und übergrosse Minions auf den Flüssen und Seen: Dieses Jahr setzte sich schweizweit ein Trend durch, der bis anhin hauptsächlich in Bern bekannt war. Das Aareböötle schwappte in andere Kantone über. Auf Flüssen und Seen waren sie deshalb überall zu sehen, die aufblasbaren Figuren, Matten und Ringe aus Plastik. Teils waren so viele Boote auf dem Wasser, dass es für Schwimmer eng wurde.

Einhörner auf der Aare.

Einhörner auf der Aare.

15. Die Profiteure

So schädlich für Mensch und Umwelt die Hitze auch war, dieser Sommer war nicht für jeden negativ. Denn einige profitieren vom heissen Wetter. Glaceproduzenten und die Hersteller von Erfrischungsgetränken hatten einen guten Sommer. Noch besser hatten es die Hersteller von Ventilatoren und Klimaanlagen: Gibt es mehrere Tropennächte in Folge, schnellen die Verkäufe der abkühlenden Geräte in die Höhe.

Auch im Tourismus bedeutete das Wetter Gutes: Besonders in den Bergen waren Ausflüge dieses Jahr sehr beliebt.

Nicht zuletzt konnten die Freibäder aus der Hitze Profit schlagen. Diese erhielten Besuch von besonders vielen Badegästen. 

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