Bundesanwalt Michael Lauber steckt wegen seiner Rolle in der Affäre um den Weltfussballverband Fifa in der Krise. Doch in der Ermittlungsarbeit hat er jetzt einen Erfolg vorzuweisen. Am Mittwoch hat das Bundesstrafgericht einen wichtigen Entscheid von ihm in einem Strafverfahren gegen eine Fifa-nahe Firma gestützt.

Das rechtskräftige Urteil dokumentiert auf fünfzig Seiten, wie rivalisierende Firmen der grossen Fussballfamilie versucht haben, die Justiz zu instrumentalisieren, um Millionen abzukassieren. Es geht um Abzocker, die sich gegenseitig der Abzocke bezichtigen. Die eine Seite hat dabei die Bundesanwaltschaft als Schiedsrichterin aufgeboten. Diesem Spiel entzog sich die Strafverfolgungsbehörde jedoch, indem sie das Verfahren einstellte. Dabei hat sie juristisch korrekt gehandelt, wie das Bundesstrafgericht nun feststellt.

Am Anfang des Falls stand eine Drohung: Die Schweizer Firma JB Sports Marketing des ehemaligen israelischen Fussballers Benny Alon setzte die Fifa 2009 unter Druck, mit ihr einen Deal einzugehen. Sonst werde sie in den USA eine Medienkonferenz abhalten und publik machen, wie unsauber die Ticket-Vergabe bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland abgelaufen sei.

Als Schweigegeld forderte sie den Zuschlag für Tausende Tickets der besten Sitzkategorie für die Weltmeisterschaften 2010 bis 2022. Die Firma wollte diese zu überteuerten Preisen weiterverkaufen, was eigentlich nicht erlaubt ist, aber von der Fifa toleriert wurde. Der erwartete Gewinn: eine zweistellige Millionensumme.

Goldene Geschäfte mit VIP

Die Fifa liess sich auf den Deal ein, obwohl sie eigentlich mit einem Exklusivvertrag an eine andere Schweizer Firma gebunden war, an Match Hospitality des Mexikaners Jaime Byrom. Dazu ist zu wissen: Die Tickets werden in der Regel in sogenannten Hospitality-Paketen für Geschäftskunden verpackt. Dazu gehören Übernachtungen in Luxushotels, Parkplätze an bester Lage und Golfturniere für VIP. Kein Bereich im Umfeld der Weltmeisterschaften ist korruptionsanfälliger.

Der Parallelhandel mit Tickets lief an der WM 2010 in Südafrika nach den Vorstellungen von JB Sports Marketing. Mit überteuerten Tickets machte sie ein Millionengeschäft. Sportmanager Alon jubelte in einer internen Mail: «Es läuft bei uns besser als an der US-Börse.»

Vor der WM 2014 in Brasilien begannen jedoch die Probleme. Um dem Schwarzhandel vorzubeugen, stellten die Brasilianer neue Regeln auf, welche die Nebengeschäfte verunmöglichten. Gleichzeitig pochte Match Hospitality nun auf ihr Exklusivrecht. Die Verträge mussten neu justiert werden, wobei die Fifa gemäss Gerichtsakten die eigentlichen Hintergründe nicht offenlegte. JB Sports Marketing musste ihre Tickets nun über Match Hospitality beziehen. Die Fifa zahlte ihr als Wiedergutmachung 8,5 Millionen Franken.

Gemäss JB Sports Marketing wollte der damalige Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke persönlich profitieren und die Hälfte des erwarteten Gewinns einstreichen. Die Übergabe einer Vorabzahlung von 300 000 Dollar war vorbereitet, das Geld in einem Safe deponiert. Zum Handwechsel soll es bloss nicht gekommen sein, weil sich Valcke kurzfristig einer Operation unterziehen musste. Valcke selbst dementiert dies.

Zum Showdown kam es 2015. JB Sports Marketing suchte nun einen anderen Weg zur Bereicherung und setzte um, was sie sechs Jahre zuvor angedroht hatte: Die Firma bediente eine auserwählte Gruppe von internationalen Medien mit internen Dokumenten. Aus der Schweiz war die Tamedia-Redaktion dabei, welche die Kampagne als «Datenleck» inszenierte.

So wurden nicht nur die schmutzigen Ticket-Deals der WM 2006 publik, sondern auch die Vorwürfe gegen Valcke, er habe sich persönlich bereichert. Die Fifa unter dem damaligen Vorsitz von Sepp Blatter setzte Valcke noch am gleichen Tag ab und zeigte ihn an.

JB Sports Marketing sann mit der Aktion nicht nach Gerechtigkeit, sondern nach noch mehr Geld: 40 Millionen Dollar, so das erklärte Ziel, sollte die Fifa für nicht eingehaltene Verträge bezahlen. Dafür startete die Schweizer Firma eine zivil- und strafrechtliche Prozesslawine. Zivilrechtlich war die Firma erfolgreich. Ein Schiedsgericht kam im Mai 2018 zum Schluss, die Fifa habe die Firma mit 17 Millionen Dollar zu entschädigen. Die Fifa focht das Urteil an, doch im November wurde es vom Bundesgericht bestätigt. Darauf kündigte die Firma an, weitere 20 Millionen einzufordern.

Deals per Handschlag

Strafrechtlich ging JB Sports Marketing mit Anzeigen gegen den abgesetzten Fifa-Generalsekretär Valcke sowie gegen Match-Boss Byrom vor. Das Verfahren gegen Byrom stellten die Ermittler nach zwei Jahren jedoch ein. Betrug liege nicht vor, denn die Kläger hätten eigentlich gewusst, dass die komplizierten Abmachungen nicht eingehalten werden konnten. Einige wurden lediglich per Handschlag eingegangen.

Für die Bundesanwaltschaft ist die Korruption um die Ticket-Deals der Fifa mit der Einstellung des Verfahrens nicht erledigt. Die Ermittlungen gegen Ex-Generalsekretär Valcke laufen weiterhin. Auch das Verfahren gegen Fifa-Boss Sepp Blatter ist hängig. Für Bundesanwalt Lauber ist die Aufgabe heikel: Saubermann in einem schmutzigen Spiel zu bleiben, ist schwierig.