In den vergangenen Jahren sei aus der Lehrerschaft immer wieder der Ruf gekommen, die bisherige Schulschrift durch eine zeitgemässe Schrift zu ersetzen, teilte die Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) am Montag mit. Dieses Anliegen solle nun koordiniert umgesetzt werden.

Die D-EDK empfiehlt den Kantonen daher, auf die Basisschrift umzustellen, wie sie im Kanton Luzern bereits seit einigen Jahren unterrichtet wird. Die D-EDK übernimmt dazu die Rechte an dieser Schrift vom Kanton Luzern. Künftig soll diese als "Deutschschweizer Basisschrift" bezeichnet werden.

Umweg soll entfallen

Bisher lernen die Kinder zumeist zuerst die Steinschrift, dann die voll verbundene "Schnüerlischrift". Anschliessend entwickeln sie jedoch eine persönliche, meist nur teilweise verbundene Handschrift, wie die D-EDK schreibt. Dieser Umweg solle in Zukunft entfallen.

Die Buchstabenformen der Basisschrift werden zunächst ebenfalls unverbunden gelernt. Später werden die Buchstaben teilweise verbunden - jedoch nicht vollständig wie bei der "Schnüerlischrift". Damit sollen unnatürliche Bewegungsabläufe mit vielen Richtungsänderungen, die bei den Kindern zu Verkrampfungen führen können, vermieden werden, wie es im Communiqué der D-EDK heisst.

Einstimmiger Entscheid

Der Entscheid, den Kantonen den Wechsel zur Basisschrift zu empfehlen, sei einstimmig gefallen, sagte D-EDK-Präsident Christian Amsler auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Er sprach von einem "Schritt in die Zukunft".

Zur Diskussion hatte zuvor auch gestanden, die Basisschrift mit dem Lehrplan 21 vorzuschreiben. Darauf verzichtete die D-EDK aber schliesslich und entschied sich, lediglich eine Empfehlung auszusprechen. Die Kantone hätten sich diese Freiheit gewünscht. sagte Amsler. "Es ist bei den 21 Kantonen aber ziemlich unbestritten, die Basisschrift schnell einzuführen."

Der Entscheid dazu wird in jedem Kanton aufgrund der jeweiligen Zuständigkeiten getroffen. Die Umstellung kann gemäss D-EDK unabhängig von der Einführung des Lehrplans 21 erfolgen. Im Lehrplan 21 selbst wird eine teilverbundene Schrift - wie es die Basisschrift ist - ebenfalls empfohlen, wie Amsler sagte.

Natürlicherer Schreibrhythmus

Dass die "Schnüerlischrift" aus den Deutschschweizer Schulzimmern verschwindet, dürfte einige wehmütig stimmen. "Gewisse Stimmen wollten an der 'Schnüerlischrift' festhalten", sagte Amsler. Dafür habe er ein gewisses Verständnis - schliesslich sei die Schrift mit viel Emotionen und Nostalgie verbunden.

Bei Lehrern und Experten bestehe aber Konsens, dass die Basisschrift dem natürlichen Schreibrhythmus mehr entgegenkomme als die "Schnüerlischrift", sagte Amsler. Wie die D-EDK schreibt, deuten neuere Studien darauf hin, dass mit der neuen Schriftform leichter eine flüssige, gut lesbare Handschrift erworben werden kann. Und dies sei ein zentrales Lehrplanziel der Volksschule - auch im Zeitalter von Computer, Tastatur und Maus, so die D-EDK.

Luzern als Vorreiter

Die D-EDK sieht sich mit ihrem Entscheid breit abgestützt: Eine grosse Mehrheit der eingeholten Stellungnahmen unterstütze den Wechsel zu einer teilverbundenen Schulschrift, schreibt die D-EDK. Auch der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) hatte sich in seiner Stellungnahme dafür ausgesprochen, dass die D-EDK den Kantonen den Wechsel zur "Luzerner" Basisschrift empfiehlt.

Im Kanton Luzern war diese auf das Schuljahr 2011/12 in der Primarschule verbindlich eingeführt worden, in der Stadt Luzern bereits vier Jahre früher. Auch andere Schulen setzen laut Amsler schon heute auf eine teilverbundene Schrift.

In einer Umfrage der D-EDK hatten 18 von 21 Kantonen die Steinschrift als unverbundene Erstschrift genannt; als Vorlage für die Überführung in eine verbundene Schrift wurde die Verbundene Schweizer Schulschrift - so heisst die "Schnüerlischrift" offiziell - 15 Mal genannt.