Wenn Kinder und Jugendliche nicht mehr weiter wissen, dann wählen sie manchmal diese Nummer: 147. Rund 350 Mal pro Tag klingelt im Büro in Bern das Notfalltelefon. Daran haben die neuen Medien nichts geändert.

Geändert haben sich aber die Sorgen der Jugendlichen: Immer mehr von ihnen rufen an, weil sie sich gestresst fühlen. 29.1 Prozent aller Anfragen im letzten Jahr standen im Zusammenhang mit Stress.

Die Kinder und Jugendlichen erzählten von stressbedingten persönlichen Krisen, Ängsten und teilten gar Suizidgedanken. Seit 2009 hat sich der Anteil stressbedingter Anrufe fast verdreifacht.

Das Sorgentelefon wird rege genutzt. Die Anrufe haben in den letzten Jahren zugenommen, die Sorgen haben sich verändert.

Sorgentelefon

Das Sorgentelefon wird rege genutzt. Die Anrufe haben in den letzten Jahren zugenommen, die Sorgen haben sich verändert. 

Bernhard Bürki, Mediensprecher von Pro Juventute, sieht vor allem einen Grund für den Stress im Alltag der Jugendlichen. Sie haben immer weniger Freizeit. Oder genauer: leere Zeit.

„Die meisten Kinder und Jugendlichen sind rund um die Uhr verplant.“ Problematisch dabei sei, dass auch Hobbies heute nicht mehr nur zum Spass da seien. „Hobbies müssen etwas bringen.“

Der Druck auf die Jugendlichen kommt nicht nur von den Eltern oder von der Schule. „Sie setzen sich häufig selber unter Druck und haben Angst, ohne gute Noten keine Lehrstelle oder keine Arbeitsstelle zu finden.

Teilweise sind sie so unglücklich, dass sie sich über Suizid Gedanken machen. Zwei- bis dreimal pro Tag teilen Kinder und Jugendliche mit den Beratern Suizidgedanken. Oder sie erzählen von Freunden, die einen Suizid angekündigt haben.

Ein- bis zweimal pro Woche muss Pro Juventute eine Krisenintervention organisieren. Zum Beispiel dann, wenn ein Kind anruft und bereits Tabletten geschluckt hat. „Wir fragen dann wo es sich befindet und schicken einen Krankenwagen los“, erklärt Bürki.

Die zentralen Themen 2009 - 2017

Die Probleme der Kinder und Jugendlichen kann Pro Juventute nicht in einem einzigen Beratungsgespräch lösen. «Wir wollen den ihnen die nächsten Schritte aufzeigen, die sie machen können», so Bürki. 

Während die Sorgen auf Grund von Stress zugenommen haben, ist Liebe und Sexualität immer weniger Thema bei den telefonischen Beratungsgesprächen. Laut Pro Juventute finden die Jugendlichen dazu viele Informationen im Internet.

Auch die Organisation selber hat die Homepage an das veränderte Mediennutzungsverhalten angepasst und in den letzten Jahren immer mehr Ratgeber-Inhalte aufgeschaltet. Mittlerweile können die Jugendlichen ihre Fragen auch in einem Chat oder per Email stellen.