Bei seinem letzten Einsatz mit dem FC Nationalrat zog sich Eric Nussbaumer im März einen doppelten Bänderriss zu. «Dumm gelaufen», sagt der Baselbieter SP-Nationalrat und Captain der kickenden Parlamentarier.

Aussenverteidiger Beat Jans (SP/BS) sei von seinem Gegenspieler überlaufen worden und habe die Flanke nicht verhindern können, in der Mitte sei auch er zu spät dran gewesen und dann unglücklich mit dem Goalie zusammengeprallt.

Leider sei an diesem Abend ein externer, agiler Torhüter zwischen den Pfosten gestanden, so Nussbaumer. «Mit Stammgoalie Thierry Burkart wäre das nicht passiert», sagt er schmunzelnd. «Mein FDP-Nationalratskollege aus dem Aargau hätte seine Reaktionsstärke auf der Torlinie ausgespielt.»

Eric Nussbaumer, der Captain des FC Nationalrat

Eric Nussbaumer, der Captain des FC Nationalrat

Immerhin war an diesem Abend für die medizinische Erstversorgung gesorgt – der FC Nationalrat spielte gegen die Fussballmannschaft der Hirslanden Klinik. 

Einige Wochen später fieberte Nussbaumer in Österreich bei der inoffiziellen Parlamentarier-Europameisterschaft mit. Ohne seinen Captain wuchs der FC Nationalrat über sich hinaus und besiegte im Final Finnland locker 3:0 – «obwohl, nicht weil ich fehlte», wie Nussbaumer lachend erzählt.

Dennoch: Sich selbst würde der 57-Jährige als Nationaltrainer nicht nach Russland mitnehmen. Nicht nur wegen der Verletzung, sondern vor allem wegen technischer Mängel. «Und konditionell steht es auch nicht zum Besten.» 

Zudem sei die Konkurrenz halt schon extrem stark, sagt Nussbaumer mit Blick auf seine Wunschformation, die er exklusiv für die «Schweiz am Wochenende» mit einem Augenzwinkern zusammengestellt hat:

Yann Sommer (TW, Mönchengladbach)

Yann Sommer

Yann Sommer

«Für mich unbestritten die Schweizer Nummer eins. Nicht nur, weil er von 2011 bis 2014 vier Mal den Meistertitel für meinen FC Basel holte. Sondern auch mangels Konkurrenz: Roman Bürki und Yvon Mvogo können ihm genauso wenig gefährlich werden wie unser Thierry Burkart.» 

Stephan Lichtsteiner (RV, Arsenal)

Stephan Lichtsteiner

Stephan Lichtsteiner

«Ein exzellenter Verteidiger mit einer beeindruckenden Kondition, wie ich sie in meiner Zeit als Aussenverteidiger gerne gehabt hätte – als Innenverteidiger muss ich inzwischen zum Glück nicht mehr so viel rennen. Auch wenn Lichtsteiner mit seinen 34 Jahren der älteste Spieler im Aufgebot Vladimir Petkovics ist, ist er alles andere als ein Sesselkleber.»

Johan Djourou (IV, Antalyaspor)

Johan Djourou

Johan Djourou

«Er agiert nicht immer so abgeklärt wie seine Kollegen, sondern spielt auch einmal einen riskanten Pass. Zwar zittere ich vor dem Fernseher immer, wenn er den Ball am Fuss hat. Aber Djourou spielt Fussball mit Herz! Er wirkt nicht so mechanisch wie seine Kollegen. Gegen die spielstarken Brasilianer müssen wir auch mit Spielfreude dagegen halten.»

Damian Müller (IV, FDP-Ständerat Luzern)

Damian Müller

Damian Müller

«Mein Partner in der Abwehr des FC Nationalrats überzeugt mich mit seinem Drang nach vorne, den er sich freilich nur leisten kann, weil ich ihn hinten absichere – mangels Fitness halte ich mich kaum je in der gegnerischen Spielhälfte auf. Müller hat unsere Defensive mit dem soliden Christian Imark – dem Solothurner SVP-Nationalrat Solothurn – während meiner Verletzungspause zusammengehalten. Das rechne ich ihm hoch an.»

Ricardo Rodriguez (LV, AC Milan)

Ricardo Rodriguez

Ricardo Rodriguez

«Als Sozialdemokrat ist mir die linke Seite besonders wichtig: Rodriguez riegelt diese hervorragend ab, zeigt aber – wie meine Partei – auch stürmischen Offensivdrang. Er ist für mich genauso unbestritten wie Lichtsteiner auf der anderen Abwehrseite. Da haben weder FCB-Aussenverteidiger Michael Lang noch Nationalrats-Haudegen Beat Jans eine Chance.»

Jürg Grossen (RM, GLP-Nationalrat Bern)

Jürg Grossen

Jürg Grossen

«Der besttrainierte Nationalrat von allen. An einem Parlamentarierturnier nannte ihn ein Speaker einmal ‚die Gemse aus dem Oberland’ – diesen Übernamen hat Grossen behalten. Er ist flink, er kann das Spiel lesen, er jagt jedem verlorenen Ball hinterher. Ein wahres Vorbild, der den verletzungshalber fehlenden Admir Mehmedi mehr als ersetzen kann.»

Granit Xhaka (ZM, Arsenal London)

Granit Xhaka

Granit Xhaka

«Eine der besten Nummer zehn in der Geschichte der Nati. Lanciert hat er seine Karriere am selben Ort wie ich: bei Concordia Basel. Er zog mit neun Jahren weiter zum FCB, um von dort aus die Welt zu erobern. Ich hingegen stieg erst bei den Veteranen ein, da man in meiner Familie früher sonntags nicht auf den Fussballplatz, sondern in die Kirche ging.»

Denis Zakaria (ZM, Mönchengladbach)

Denis Zakaria

Denis Zakaria

«Ein Talent mit Wurzeln in der Romandie und – von mir aus – auch ein paar erfolgreichen Lehrjahren bei den Berner Young Boys. Gegen Brasilien braucht es neben Routine auch jugendliches Draufgängertum. Alternativ würde auch YB-Fan und ‚Nationalrats-Sechser’  Corrado Pardini – der Berner SP-Nationalrat –  passen. Seine Routine sticht aber die Athletik von Zakaria nicht mehr aus.»

Christian Wasserfallen (LM, FDP-Nationalrat Bern)

Christian Wasserfallen

Christian Wasserfallen

«Gemeinsam mit Grossen bildet er meine Flügelzange. Seine Aufgabe ist es, die beiden schnellen Stürmer mit Steilpässen zu versorgen oder auch mal mit einer schönen Flanke. Ihm gebe ich den Vorzug vor meinem Fraktionskollegen Matthias Aebischer. Denn im FC Nationalrat zählt die Parteizugehörigkeit nichts, dort sind wir alle gleich, von SP bis SVP.»

Breel Embolo (ST, Schalke 04)

Breel Embolo

Breel Embolo

«Embolo steht – wie Djourou zwei Reihen hinter ihm – für Spielfreude und Mut. Seine jugendliche Unerschrockenheit mag ich. Gegenüber Haris Seferovic und Josip Drmic gebe ich ihm aber auch deshalb den Vorzug, weil er seine Karriere beim FC Basel lanciert und für meinen Herzensverein drei Titel errungen hat. Sowas vergesse ich nicht so schnell.»

Marcel Dobler (ST, FDP-Nationalrat St. Gallen)

Marcel Dobler

Marcel Dobler

«Der schnellste Sprinter in der Geschichte des eidgenössischen Parlamentes, eine richtige Rakete. Den Ball legt er sich gerne zehn Meter vor und spurtet wie ein Verrückter hinterher. Noch etwas arbeitem muss er allerdings an seiner Torgefahr. Gut, kann er sich nach dem Ende seiner Bobkarriere nun ganz auf den FC Nationalrat konzentrieren.»

Ersatzbank:

Xherdan Shaqiri (M, Stoke City)

Xherdan Shaqiri

Xherdan Shaqiri

«Ihn setze ich auf die Bank, um ihn zu kitzeln – mit Wut im Bauch kann er Spiele nach seiner Einwechslung im Alleingang entscheiden. Wir kennen das vom FC Nationalrat: Auch dort kommt es vor, dass Spieler wütend werden, wenn sie von Trainer Roger Hegi auf die Bank gesetzt oder vorzeitig ausgewechselt werden. Manchmal hilft das.»

Hannes Germann (ST, SVP-Ständerat Schaffhausen)

Hannes Germann

Hannes Germann

«Ich mag ihm diese WM-Teilnahme gönnen, schliesslich neigt sich seine Karriere dem Ende zu. Ihn wechsle ich kurz vor Spielende ein. Nicht primär, weil er nur noch Luft für zehn Spielminuten hat. Sondern weil er als Knipser immer gut ist für ein Tor. Wie er uns kürzlich mit seinen drei Toren gegen Finnland zum Europameistertitel geschossen hat… formidabel!»