«Du erhältst diesen Brief, weil du möglicherweise Sex mit jemandem hattest, bei dem Syphilis diagnostiziert wurde.» So beginnt der anonymisierte Musterbrief, den man sich auf der Webseite der jüngsten «Love life»-Kampagne des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und seinen Partnerorganisationen verfassen lassen kann.

Unter dem Motto «Du kannst es nicht ewig verstecken - sprich über Geschlechtskrankheiten» fordert die Kampagne zu Offenheit im Umgang mit Syphilis, Tripper, Hepatitis und anderen Geschlechtskrankheiten auf. Auch in Werbespots ist die Kampagne präsent. Darin zeigen die Protagonisten, wie man es gerade nicht machen sollte.

Einer der «Love life»-Spots

«Dienst bis auf weiteres sistiert»

Und weil das auch unter einigen jener Menschen nicht anders sein dürfte, die ihre Sexpartner häufig wechseln, gingen die Kampagnenführer mit einem Online-«Partnerinfodienst» noch einen Schritt weiter. Nicht nur mit dem eingangs erwähnten vorgefertigten Brief, nein, Nutzer konnten sich online mittels Eingabemaske auch E-Mails verfassen lassen oder sogar SMS; anonymisiert oder persönlich, ganz wie sie es sich wünschen. Der behördlichen Aufklärung sollten schliesslich Taten folgen, die Betroffenen möglichst wenig Hemmschwellen vorfinden, um ihre Sexpartner über mögliche Ansteckungen zu informieren.

Das haben sich offensichtlich ein paar Spassvögel mit schlechtem Humor zu Herzen genommen und aus Jux anonymisierte SMS an Empfänger verschickt, die das Gruseln gepackt haben muss, als sie kurz und knapp lasen: «Hallo. Bei mir wurde Syphilis diagnostiziert. Das ist sexuell übertragbar. Lass dich bei Teststelle oder Arzt untersuchen, auch wenn du keine Symptome hast.»

So sah sich das BAG veranlasst, den Dienst zu stoppen. «Der SMS-Service wurde bis auf weiteres sistiert», schreibt das BAG der «Nordwestschweiz». Den SMS-Text muss sich künftig von der Webseite abschreiben, wer so seinem Sexpartner beibringen will, dass er ihn womöglich mit einer Krankheit angesteckt hat.

Abnehmende Bedeutung von Aids

Immer wieder sorgen die Kampagnen des BAG für Aufmerksamkeit. Ging es zu Beginn der bereits 25-jährigen Ära vor allem darum, die Verbreitung des HI-Virus einzudämmen, so gewann in den letzten Jahren der Kampf gegen Geschlechtskrankheiten an Bedeutung. Aus «Stop Aids» wurde «Love Life». Denn HIV-Diagnosen nehmen in jüngerer Zeit ab, während solche von sexuell übertragbaren Krankheiten wieder zugenommen haben.