Wer ein Medikament gegen Sodbrennen verschrieben erhält, zahlt in einer Schweizer Apotheke 56.80 Franken für eine Packung Pantoprazol (Sandoz, 105 Tabletten). Wer in Holland das identische Produkt kauft, zahlt umgerechnet 3.55 Franken. Das ist 16 Mal weniger als in der Schweiz. Zwar ist Holland ein Extremfall, weil es im Vergleich zu anderen westeuropäischen Staaten tiefe Medikamentenpreise hat. Doch auch im Ländervergleich fällt die Schweiz deutlich ab: Patienten zahlen hier für die Tabletten gegen Magensäure im Schnitt drei Mal mehr (siehe Tabelle unten).

Pantoprazol ist kein Einzelfall, wie Andreas Schiesser nachweist. Der Medikamentenspezialist des Krankenkassenverbands Curafutura hat die Preise von häufig verwendeten Medikamenten mit jenen im Ausland verglichen. Er kommt wenig überraschend zum Schluss, dass es neue Lösungen brauche, um die hohen Preise bei Medikamenten zu senken: das Referenzpreissystem, das Versicherer und Preisüberwacher seit Jahren fordern.

Kasse zahlt nur billiges Produkt

Wenn Bundesrat Alain Berset in ein paar Wochen das Referenzpreissystem tatsächlich präsentiert, ist der Verband argumentativ gerüstet, wie er an der gestrigen Medienkonferenz klarmachte. Obwohl noch nicht bekannt ist, wie die Preisfestlegung genau ausgestaltet wird, ist das Prinzip klar: Medikamente mit gleichen Wirkstoffen werden in Gruppen eingeteilt. Und für die Gruppe wird ein Maximalpreis (Referenzpreis) festgelegt, der sich am günstigsten Präparat orientiert.

Der Krankenversicherer vergütet neu nur noch den Referenzpreis. Falls ein Patient sich also für ein teureres Präparat entscheidet, darf er das weiterhin – auch wenn der Nutzen beschränkt ist, da der Wirkstoff identisch ist. Den Unterschied zum Referenzpreis muss er aber selber berappen. Die Wirkung: Wenn Krankenkassen nicht mehr wie heute jedes Medikament vergüten müssen, sondern nur noch die günstigsten, sinken die Kosten. Der Preisüberwacher rechnet, dass so bis zu 800 Millionen Franken gespart werden können. Das sind 100 Franken pro Versicherten. Wobei der Systemwechsel für Patienten keinen qualitativen Unterschied bringen sollte. Denn aus medizinischen Gründen könnte der Arzt weiterhin ein teureres Präparat verschreiben, das der Versicherer vollumfänglich rückerstatten müsste.

Marge muss fallen

Für einen Systemwechsel kämpfen Versicherer und Preisüberwacher seit Jahren. Die Kritik, dass Schweizer ihre Medikamente überbezahlen, ist also nicht neu. Doch politisch hat sich wenig bewegt. Nebst den Pharmafirmen verdienen auch Apotheker und Ärzte, die Medikamente abgeben dürfen, an den hohen Preisen. Der Grund? Die Vertriebsmarge ist direkt an den Preis geknüpft: Je teurer das Medikament, je mehr verdient die Person daran, die es verkauft. Wegen dieses Fehlanreizes will der Bundesrat die Vertriebsmarge noch diesen Herbst anpassen: Ärzte und Apotheker sollen konsequenter Generika verabreichen. Laut Preisüberwacher liegt grosses Potenzial brach, da nur etwas mehr als jede vierte kassenpflichtige Medikamentenpackung ein Generikum ist.

Andreas Schiesser kennt auch hier Negativbeispiele – etwa der Wirkstoff Atorvastatin, ein Lipidsenker. Die Pharmafirma Pfizer hat zwei unterschiedliche Medikamente auf dem Markt. Das Original Sortis (20 mg, 100 Tabletten) kostet 150.15 Franken pro Packung. Das Generikum Atorvastatin, das nicht nur den identischen Wirkstoff beinhaltet, sondern auch in derselben Packungsgrösse verkauft wird, kostet 74.55 Franken. Kurz: Es ist halb so teuer. Trotzdem müssen die Versicherer beide Medikamente vollumfänglich vergüten.