Knoblauch aus China, Äpfel aus Neuseeland oder Spargeln aus Chile: Solche Importe machen den Fair-Food-Initianten Bauchweh. Sie kritisieren, Lebensmittel wiesen eine zunehmend schlechtere Öko- und Klimabilanz auf. Mit der Initiative wollen sie den Bund daher unter anderem beauftragen, die Auswirkungen des Transports von Lebensmitteln auf die Umwelt zu reduzieren.

Ursprünglich schlugen die Initianten dazu die Einführung einer Klimaetikette vor: Sie würde anzeigen, wie klimaschädlich ein Lebensmittel ist – ähnlich wie die Energieetikette bei Elektrogeräten. In einem alten Argumentarium schrieben die Initianten, dies wäre eine «wirkungsvolle Massnahme für einen effektiven Klimaschutz».

Knackpunkt eingeflogene Güter

Inzwischen geben sich die Initianten zurückhaltender. «Wie die Initiative bei einer Annahme gesetzlich konkret umgesetzt wird, entscheidet wie üblich das Parlament», sagt Maya Graf, Co-Präsidentin des Initiativkomitees und Nationalrätin (Grüne/BL). Die Initiative schlage aber eine bessere Deklaration vor. «Längerfristig wäre eine Klimaetikette denkbar», sagt Graf.

Allerdings seien Klima- und Ökobilanzen umstritten. Deren Berechnung ist schwierig: Wie viel CO2 entsteht, bis ein Apfel über den Ladentisch geht, hängt etwa auch davon ab, wie lange er gelagert wurde. Im aktuellen Argumentarium appellieren die Initianten daher an die Forschung: Diese müsse glaubwürdige Vergleichsmodelle entwickeln.

Bis diese Modelle vorhanden sind, setzen die Initianten auf Alternativen: In einem ersten Schritt könnten einfachere Massnahmen getroffen werden, sagt Graf. Sie schlägt vor, dass alle Produkte gekennzeichnet werden, die per Flugzeug importiert werden. «Das würde schon viel bringen, denn Flüge verursachen sehr viel CO2», sagt sie. Der Aufwand für eine solche Kennzeichnung «würde sich absolut in Grenzen halten», sagt sie.

Bei der Industrie kommen Forderungen nach neuen Deklarationsvorschriften allerdings schlecht an. Urs Furrer, Co-Geschäftsführer des Verbands der Nahrungsmittelindustrie (Fial), kritisiert: «Eine solche Etikettenpflicht erscheint als Zwängerei.» Vor zwei Jahren sei im Zusammenhang mit der Initiative «Grüne Wirtschaft» über solche Deklarationspflichten diskutiert worden. «Die Idee fiel schon damals klar durch», sagt Furrer.

Umgarnte Konsumenten

Der Verband der Nahrungsmittelindustrie lehnt die Fair-Food-Initiative ab, ebenso die IG Detailhandel, in der Migros, Coop und Manor vereinigt sind. Sie warnen, die höheren Anforderungen an die Lebensmittel würden das Angebot verkleinern und verteuern. «Und mit neuen Deklarationsvorschriften würden die Produkte gleich nochmals teurer», sagt Urs Furrer.

Die Branche betont derweil, es gebe bereits ein Angebot an fairen Lebensmitteln und entsprechende Labels. Coop etwa kennzeichnet eingeflogene Produkte mit «By Air».

Befürworter wie Gegner der Fair-Food-Initiative umwerben die Konsumenten. Die IG Detailhandel warnt, mit der Initiative drohe eine Bevormundung der Konsumenten durch den Staat, da das Angebot gesteuert werde.

Ganz anders sieht das Graf: «Alle reden von der Wahlfreiheit für die Konsumenten», sagt sie. Diese existiere aber nur, wenn die Produkte transparent deklariert sind und es eine grössere Auswahl an fairen Lebensmitteln gebe. Wer mehr überzeugt, wird sich am 23. September zeigen.