Einer der zwei beim Unfall am Gotthard getöteten Piloten war André Bättig. Der Milizpilot sass seit 2006 für die FDP im Stadtrat von Illnau-Effretikon ZH und war hauptberuflich Ingenieur. Bättig war 50 Jahre alt und hätte in wenigen Monaten die Altersgrenze für seine Funktion erreicht. Das zweite Opfer, M.L., ist nach Informationen der «Nordwestschweiz» ebenfalls aus dem Kanton Zürich.

Er war deutlich jünger als Bättig und arbeitete als Berufspilot bei der Swiss. Dem verletzten Flughelfer geht es den Umständen entsprechend gut. Neben diesen drei Personen befand sich nach Informationen der «Nordwestschweiz» niemand anderes an Bord der Unglücksmaschine. Andere Medien hatten, sich auf Augenzeugen berufend, zwischenzeitlich über vier Insassen berichtet.

Wie die «Nordwestschweiz» bereits gestern berichtete, gehen Fachkundige mittlerweile davon aus, dass die Piloten in Stromkabel flogen und dies zum Absturz führte. Von offizieller Seite steht eine Bestätigung dafür noch immer aus. Das Verteidigungsdepartement kommunizierte gestern bloss, dass es keine Hinweise auf eine technische Ursache hat.

Helikopter-Absturz: Weitere Aufnahmen des Unfallortes am Mittwochabend.

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«Das gibt es immer wieder»

Das Drama vom Mittwoch ist kein Einzelfall. Unfälle mit Stromleitungen gelten weltweit als grosse Gefahr für Helikopter- und Flugzeugpiloten. «Das gibt es immer wieder; der Unfall auf dem Gotthard ist keine Ausnahme», sagt der niederländische Aviatik-Journalist René L. Uijthoven der «Nordwestschweiz» am Telefon. In einem Artikel im deutschen Hubschrauber-Magazin «Rotorblatt» thematisierte er 2012 insbesondere tief hängende Stromkabel (wie jene auf dem Gotthard) als Gefahrenhort. Anders als die mächtigen Hochspannungsleitungen seien diese in Luftfahrtkarten nicht immer verzeichnet.

Helikopter-Absturz: Das sagt die Aircraft Recovery über die Aufräumarbeiten

Helikopter-Absturz: Das sagt die Aircraft Recovery über die Aufräumarbeiten

Gotthard - 29.09.2016 - Die Aufräumarbeiten des Helikopter-Absturzes auf dem Gotthard laufen. Hans Schmid, Chef der Aircraft Recovery, erklärt im Interview das Vorgehen und prognostiziert ein Ende der Arbeiten bis Donnerstagabend.

Kurze Unaufmerksamkeit reicht

Im Artikel empfiehlt Uijthoven vor allem eine gute Vorbereitung auf einen Flug. Am wichtigsten aber sei die Konzentration, sagt er am Telefon: «Oft ist es so, dass die Piloten von der Existenz der Stromkabel wissen. Warum passiert es trotzdem? Nicht, weil die Piloten blöd sind. Der Pilot muss nur einen Sekundenbruchteil unaufmerksam sein, und schon knallt es. Der Normalbürger kennt ähnliche Situationen vom Velo- oder Autofahren. Ein kleiner Fehler ist schnell passiert; er hat in einem Helikopter enorme Folgen.» Ähnlich hatte sich der ehemalige Profi-Pilot Fredy Frutig geäussert: «Mein Eindruck ist, dass die Piloten beim Abheben die Kabel übersehen haben. Das sollte nicht passieren und wäre ein fataler Pilotenfehler.»