Adam Quadroni liess einen der grössten Schweizer Bauskandale auffliegen und verlor deswegen seine Familie, seine Firma und seinen guten Ruf. Dank der Initiative eines jungen Mannes kann der Whistleblower nun neue Hoffnung schöpfen.

Aufgerüttelt durch die Berichterstattung des Magazins «Republik», rief Natanael Wildermuth eine Crowdfunding-Aktion ins Leben, um dem Bündner zu helfen.

Noch nie sei über die Schweizer Crowdfunding-Plattform Wemakeit in so kurzer Zeit so viel Geld für ein Projekt gesammelt worden, berichtete der Tages-Anzeiger am Freitag.

Da waren es – nach nur einer Woche – 127'100 Franken. Einen Tag später sind bereits über 167'000 Franken an Spendengeldern für den Whistleblower zusammengekommen (Stand: Samstag, 12. Mai, 19 Uhr).

In einem ebenfalls bei Youtube veröffentlichten Video bedankt sich der sichtlich gerührte Whistleblower für die grosse Unterstützung. Das gebe ihm «ein grosse Stück Hoffnung».

2013 war Quadronis eigene Baufirma in Konkurs gegangen, seitdem hat er keine feste Arbeitsstelle mehr, seine Frau verliess ihn und nahm ihre drei Töchter mit. Seit 2017 kämpft er vor Gericht um das Besuchsrecht und den Zugang zu ihnen.

Wildermuth ist 25, studiert an der Berner Fachhochschule Holzbauingenieur und will selber Bauunternehmer werden.

Bei Wemakeit nennt der Student fünf persönliche Gründe, warum er dem Bündner Whistleblower helfen wollte:

  • «Ich stehe für Gerechtigkeit ein, dass Recht und Moral wieder eine Bedeutung erhalten.»
  • «Ich will, dass geschehenes Unrecht wieder gut gemacht wird und dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.»
  • «Ich will, dass Herr Quadroni eine lebenswerte Zukunft hat, zusammen mit seinen Töchtern.»
  • «Ich will dazu beitragen, dass nächste Whistleblower unterstützt werden.»
  • «Ich möchte zu einem fairen Gründerumfeld für junge und ehrliche Unternehmer in der Bauindustrie beitragen.»

Ein Teil der Spendengelder kommt anderen Whistleblowern zugute

Weil das ursprüngliche Ziel von 100'000 Franken bereits deutlich überschritten wurde, sollen die Spendengelder gemäss Ankündigung auch anderen Whistleblowern zugute kommen. Möglicherweise durch die Schaffung einer Stiftung.

Bisher gebe es für Whistleblower im Schweizer Rechtssystem kaum Schutz, schreibt der «Tages-Anzeiger». Immer wieder hätten Menschen, die Unregelmässigkeiten an ihrem Arbeitsplatz aufdecken, persönlich einen hohen Preis zu zahlen. 

Prominente Unterstützung hat Wildermuths Initiative durch den früheren Bundesgerichtspräsidenten Giusep Nay erhalten, der selber Bündner ist. Nay stehe Quadronis Anwalt inzwischen als Rechtsberater zur Seite und übernehme die finanzielle Kontrolle der Verwendung der Spendengelder.

Die Crowdfunding-Kampagne endet in 21 Tagen.

Die Chancen, dass Quadroni seine Kinder wieder sehen könne, stünden gut, berichtete die Südostschweiz am Samstag. (dsc)