Seit 1986 befragen Suchtexperten in rund 40 europäischen und nordamerikanischen Ländern Jugendliche alle vier Jahre nach ihrem Suchtverhalten. Jetzt liegen die neuesten Zahlen zum Zigaretten-, Alkohol- und Cannabis-Konsum vor.

Zudem haben sich die Befrager der sogenannten „Health Behaviour in School-aged Children“-Studie erstmals mit dem Thema elektronische Zigaretten befasst. Auch rund 11‘000 Teenager aus der Schweiz haben an der Studie teilgenommen. Hier die drei wichtigsten Erkenntnisse:

E-Zigaretten sind bei Jugendlichen voll im Trend

51 Prozent der Buben und 35 Prozent der Mädchen haben bei der Befragung angegeben, schon einmal eine elektronische Zigarette gedampft zu haben. E-Zigaretten (genau wie alle anderen elektronischen Dampf-Produkte) fallen in der Schweiz derzeit unter das Lebensmittelgesetz. Es gibt keine Altersbeschränkungen.

«Zahlen sind sehr beunruhigend»: Sucht Schweiz-Direktor Grégoire Vittoz im Kurzinterview

«Zahlen sind sehr beunruhigend»: Sucht Schweiz-Direktor Grégoire Vittoz im Kurzinterview

Seit April 2018 ist auch der Verkauf von Nikotin-haltigen E-Zigaretten erlaubt. Experten befürchten daher, dass Jugendliche über die gestylten Dampfgeräte nikotinabhängig werden. Claudia Künzli, Tabakexpertin bei der Lungenliga, sagt: „Die Zahlen sind beunruhigend, da Nikotin stark abhängig macht und die Gefahr besteht, dass Jugendliche nach dem Probierkonsum an den E-Zigaretten hängen bleiben.“

Sie fordert, dass E-Zigaretten ins neue Tabakproduktegesetz aufgenommen werden. Zudem soll die Schweiz ein Abgabeverbot von E-Zigaretten an unter 18-Jährige verhängen und Werbung und Promotion von E-Zigaretten streng regulieren. Voraussichtlich stimmt das Parlament erst 2020 über das Tabakproduktegesetz ab.

Zigis sind out, Joints noch nicht

Heute rauchen in der Schweiz deutlich weniger 15-Jährige als noch um die Jahrtausendwende. 1998 gab rund jedes vierte Mädchen und jeder vierte Junge im Alter von 15 an, mindestens einmal wöchentlich zu rauchen. 2018 war es nur noch jeder zehnte Junge und jedes zwölfte Mädchen.

Seit 2006 erhebt die Studie, die in der Schweiz von der Suchtpräventions-Stiftung Sucht Schweiz durchgeführt wird, auch den Cannabis-Konsum der Jugendlichen. 2006 gaben 12 Prozent der Jugendlichen an, innerhalb des letzten Monats vor der Befragung gekifft zu haben, 2018 waren es 14 Prozent der Jungen und 9 Prozent der Mädchen.

Alkohol ist Buben-Sache

2002 war die Schweizer Jugend in einem regelrechten Trinkrausch. Jeder dritte Junge und jedes fünfte Mädchen im Alter von 15 gab damals an, mindestens einmal wöchentlich Alkohol zu trinken. Seit dem Rekordjahr ging die Rate kontinuierlich zurück. 2014 trank nur noch jeder zehnte Junge und gar nur noch jedes zwanzigste Mädchen regelmässig Alkohol.

Bei den Mädchen ist die Zahl in der aktuellen Befragung noch einmal gesunken (von 5,7 Prozent auf 4 Prozent). Bei den Jungen ist sie allerdings erstmals wieder leicht angestiegen (von 9,8 Prozent auf 11 Prozent). Sucht Schweiz beunruhigt dieser Anstieg, da regelmässiger Alkoholkonsum bei Jugendlichen besonders schwere Konsequenzen (Lernstörungen, Aggressivität, Wachstumsstörungen) haben könne.