Der Italiener steht im Kanton Zürich unter Mordverdacht: 1997 wurde an der Zürcher Goldküste, in Küsnacht, eine 87-jährige Frau in ihrem Haus gefesselt und mit schwersten Misshandlungen tot aufgefunden. Das Tötungsdelikt blieb ungeklärt, bis Kommissar Zufall im Sommer vergangenen Jahres ins Spiel kam.

Nach dem Raubüberfall auf die Thuner Bijouterie wurde der 74-jährige Italiener in Spanien gefasst und an die Schweiz ausgeliefert. Aufgrund einer DNA-Analyse ergab sich laut Anklageschrift der dringende Verdacht, dass der Italiener seinerzeit das Tötungsdelikt an der Goldküste begangen haben könnte.

Im Kanton Zürich hat die Staatsanwaltschaft für Gewaltdelikte eine Untersuchung wegen Mordes eingeleitet. Am Mittwoch in Thun musste sich der Mann nur für den Raubüberfall auf die Bijouterie vor dem Regionalgericht verantworten.

Opfer in Todesangst versetzt

Auch bei diesem Überfall ging der Täter äusserst brutal vor. An einem Abend Ende September 2016 trat er vor dem Wohnhaus der Filialleiterin einer Thuner Bijouterie auf diese zu und erzwang sich mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole (Imitation einer Beretta-Pistole) Zugang zur Wohnung.

Dort fesselte er die Frau, deren Mann und die Tochter und drohte, sie zu töten, sollten sie sich ihm widersetzen. Den Opfern verabreichte er starke Beruhigungsmittel. Im Haus entwendete er Wertsachen, namentlich Schmuck, im Wert von etwa 70'000 Franken.

Zu Fuss durch die Stadt

Weiter wird dem Angeklagten vorgeworfen, die Tochter sexuell genötigt zu haben. Danach zwang er die Familie, zu Fuss mit ihm durch die Innenstadt zu gehen und ihm in der Bijouterie weiteren Schmuck auszuhändigen.

Den Opfern klebte er Streichholzschachteln auf den Rücken und liess sie glauben, es sei Sprengstoff, den er mit einer Fernbedienung jederzeit zünden könne, sollten sie Alarm schlagen.

Vor der Bijouterie blieb er mit der Tochter als Geisel zurück, während die Filialleiterin und ihr Mann im Innern weitere Wertsachen zusammenramisieren und dem Täter übergeben mussten. Anschliessend floh der Täter mit seiner Beute und entkam. Den Schmuck verkaufte der Mann anschliessend in Italien und Spanien, wo er schliesslich geschnappt wurde.

Der Staatsanwalt betonte in seinem Plädoyer die besondere Gefährlichkeit, die der mutmassliche Täter an den Tag gelegt hatte. Er verlangte eine Freiheitsstrafe von acht Jahren. Die Verteidigung war nicht mit allen Anklagepunkten einverstanden, namentlich nicht mit der sexuellen Nötigung. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren.

Der Mann befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug. Ob und zu welcher Strafe er im Kanton Zürich verurteilt wird, ist noch offen.