Platzt schon bald die Bitcoin-Blase?

Vielleicht. Nachdem der Bitcoin-Wert dieses Jahr völlig überraschend von 1000 auf zwischenzeitlich über 20 000 Franken angestiegen ist, sind verlässliche Prognosen momentan nicht möglich. Der Preis ist nach wie vor sehr volatil und es gibt heftige Marktmanipulationen. In den USA haben Kryptowährungen unterdessen die breite Masse erreicht – jedoch lediglich als Spekulations- und nicht als Zahlungsmittel. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass viele ihr digitales Geld verkaufen werden, sobald der Kurs über längere Zeit stagniert oder sogar sinkt. Weil der Bitcoin-Wert ausschliesslich über Angebot und Nachfrage definiert wird, hätte dies einen rapiden Preiseinbruch zur Folge. Gleichzeitig erwartet man für das kommende Jahr aber auch diverse technologische Weiterentwicklungen, dank denen die Krypto-Kurse in ungeahnte Sphären steigen könnten.

Die Blockchain-Technologie ist noch jung und die Plattformen und Protokolle befinden sich erst im Aufbau. Mittlerweile gibt es rund ein Dutzend alternativer Kryptowährungen, welche in einzelnen Bereichen mehr Potenzial haben als der klassische Bitcoin. Ob diese Technologien Experimentierplattformen bleiben, ob sie parallel zum Bitcoin existieren oder diesen sogar verdrängen werden, das ist kaum abschätzbar. Auch die Rolle der Politik wird entscheidend sein für die Zukunft der Technologie: Bis jetzt gibt es noch verhältnismässig wenig Regulierungen und Kontrollen; häufig spricht man vom «Wilden Westen». Dies könnte sich 2018 ebenfalls ändern und die Kurse von Kryptowährungen in beide Richtungen beeinflussen. Die Schweiz wird bei all diesen Entwicklungen ganz vorne mitmischen – das «Kryptovalley» in Zug ist die Heimat einiger der wichtigsten Firmen und Figuren der Branche. (Patrick Züst)

Wird das Schweizer Fernsehen abgeschafft?

Natürlich nicht. Natürlich flimmert auch noch in einem Jahr das rote SRF-Logo in einer Ecke des Bildschirms. Es stellt sich allerdings die Frage, welche Sendungen künftig mit dem Logo gekennzeichnet sein werden. Sind es noch solche, die für den traditionellen Fernsehzuschauer als Produktionen erkennbar sind, die informierend und unterhaltend zu einer schweizerischen Identität beitragen? Oder prangt das SRF-Logo auf austauschbarer, schlecht synchronisierter und dramaturgisch auf Werbepausen angelegter Serienware?

Das erste Szenario ist gesetzt, wenn die Stimmbevölkerung am 4. März die No-Billag-
Initiative ablehnt. Das zweite Szenario droht mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, wenn eintrifft, was vor einem halben Jahr noch völlig unwahrscheinlich erschien: Die Annahme der Initiative.

Die Frage ist deshalb nicht, ob das Schweizer Fernsehen abgestellt wird, sondern, was ist uns das Schweizer Fernsehen wert? Der Bundesrat hat das Preisschild auf 365 Franken pro Jahr und Haushalt für die Radio- und Fernsehprogramme samt jeweiligen Online-Auftritten der SRG sowie die Teilfinanzierung der privaten TV- und Radio-Regionalsender gesetzt. Der Tarif ist willkürlich, was ein grösseres Problem darstellt als vielleicht gedacht. Denn diese Festsetzung fördert nicht die Diskussion, was ein sprachregionenübergreifendes Service-public-Medium sowie die elektronischen Regionalmedien eigentlich kosten dürfen. Sie befeuert lediglich die digitale Spaltung in jene, die aus Überzeugung oder aus Gewohnheit bereit sind, Radio- und TV-Gebühren zu zahlen, und jene, die es als selbstverständlich erachten, gratis mit Information versorgt zu werden. Nur sollten jene Zweiten wissen: Nur weil auch künftig ein Programm mit Schweizer Fernsehen angeschrieben sein wird, heisst es nicht, dass auch Schweizer Fernsehen drin sein wird. (Christian Mensch)

Ist denkbar, dass Trump vorzeitig das Weisse Haus verlässt?

In Anbetracht der Tatsache, dass es noch am Wahlabend vor einem guten Jahr schlicht undenkbar war, dass Donald Trump Präsident der USA wird, muss man heute konstatieren: Alles ist möglich. Auch ein Abtritt Trumps 2018. Bloss, wahrscheinlich ist das nicht.

Trumps Kritiker setzen ihre Hoffnungen auf Robert Mueller. Er leitet als Sonderermittler ein Team von einem Dutzend Anwälten und Bundesagenten, die sich tief in die Verbindungen von Trumps Mannschaft nach Russland eingraben. Was, wenn Trump und seinen Leuten tatsächlich illegale Absprachen («collusion») mit Moskau nachgewiesen werden? Oder Mueller aufzeigt, dass der Präsident die Justiz behindert hat? Was, wenn Trump Mueller feuern lässt? Trumps Gegner hoffen, dass am Ende der Ermittlungen das grosse Wort mit «I» steht: «Impeachment». Das Amtsenthebungsverfahren gegen einen US-Präsidenten ist allerdings ein rein politischer Vorgang und kein rechtlicher. Der Kongress kann Trump absetzen, nicht der Sonderermittler. Der erste Schritt scheint dabei gar nicht so abwegig: Im November wird gewählt – wenn die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen, könnten sie das Verfahren einleiten. Die höhere Hürde steht im Senat: Um den Präsidenten abzusetzen, braucht es hier eine Zweidrittelmehrheit. Derzeit ist kaum denkbar, dass diese zustande kommt. Auch eine Meuterei nach Artikel 25 der Verfassung, bei der die Minister den Präsidenten wegen Unfähigkeit absetzen können, scheint momentan utopisch.

Die wahrscheinlichste Variante unter den unwahrscheinlichen ist, dass Trump – geplagt von Mueller und mit schwindendem Rückhalt in der Bevölkerung konfrontiert – nach einer gewaltigen Hasstirade auf die Medien und die Realität zum Sieg verklärend selbst den Hut nimmt. Darauf wetten sollte allerdings (noch) niemand. (Fabian Hock)

Geht der Ausverkauf unserer Wirtschaft nach China weiter?

Im Moment sieht es gerade nicht danach aus. Der Grund liegt darin, dass viele chinesische Firmen in der Vergangenheit ihre Einkäufe im Ausland auf Pump finanziert haben. Die hohe Verschuldung stellt jedoch laut dem Internationalen Währungsfonds ein Stabilitätsrisiko für die Weltwirtschaft dar. Der gefährliche Mechanismus lässt sich am Beispiel der HNA-Gruppe feststellen, die unter anderem die ehemaligen Swissair-Tochterunternehmen Gategroup, Swissport und SR Technics gekauft haben und bei der Detailhandelsgruppe Dufry eingestiegen sind. Wem HNA gehört, ist unklar. Ein Problem ist auch, dass HNA, die in den letzten Jahren Firmen und Firmenteile in der Höhe von 40 Milliarden Dollar eingekauft hat, ihre Tochterunternehmen für die eigenen Schulden zahlen lässt. Inzwischen wurde bekannt, dass HNA-Tochterfirmen Immobilien verkaufen sollen, um die Schulden zu decken. In Deutschland ist derzeit die grosse Frage, was das alles für die Deutsche Bank heisst, deren grösster Aktionär HNA inzwischen geworden ist.

Die Masche mit der Verschuldung ist auch der chinesischen Obrigkeit nicht mehr geheuer, sie hat daher eine stärkere Kontrolle angeordnet. Auch wenn die meisten Unternehmen im Ausland also Staatsbetriebe oder staatsnahe Unternehmen sind, will «Peking» nicht immer für die Schulden einspringen. Dies auch, wenn ein Teil des Wirtschaftswachstums durch diesen Eingriff gedrosselt wird. Die Milliardendeals, wie man sie beim Basler Agrochemiekonzern Syngenta, der 2016 Jahr von ChemChina akquiriert wurde, erlebt hat, wird es deshalb nicht mehr im gleichen Umfang geben. Was nicht heisst, dass die Chinesen nicht auf Einkaufstour sind. Nur die Ziele, die sie sich anschauen, werden wohl eine Nummer kleiner sein und sind vor allem im Technologiesektor anzusiedeln. (Andreas Schaffner)

50 Jahre 68er: Findet die Kultur zu ihrer revolutionären Kraft?

Vor 50 Jahren richteten sich junge, aufmüpfige Kulturschaffende aus Musik, Kunst und Literatur gegen eine verstaubte, verstockte Gesellschaft. Die 68er-Bewegung brach mit den als veraltet und verlogen empfundenen Moralvorstellungen und kreierte neue künstlerische Ausdrucksformen, eine Gegenkultur. Ihre revolutionäre Kraft schöpften sie aus dem Kampf gegen die bestehenden Eliten und den gesellschaftlichen Status quo.

Die Kultur der 68er-Bewegung war die Kultur des Anti-Establishments. Eine Kultur aber auch, die im Laufe der Zeit im künstlerischen Mainstream und in den politischen Instanzen aufgegangen ist. Sie wurde entschärft und verlor ihren Biss.

Und heute? 50 Jahre danach? Bietet Donald Trump nicht die Chance, einen Teil dieses revolutionären Geistes zurückzugewinnen? Bis jetzt sieht es jedenfalls nicht danach aus. Der Aufschrei der Kulturschaffenden ist zwar gross, die Protest-Kultur ist wieder gewachsen. Kunst und Kultur sind wieder politischer geworden. Das ist gut. Doch der Protest gegen Präsident Trump hat sich schon bald abgenutzt.

Das Problem ist, dass sich die Vorzeichen geändert haben. Mehr noch: Sie haben sich umgekehrt. Trump hat mit seinem Programm des Anti-Establishments die Wahlen gewonnen und besetzt diese Agenda auch als amerikanischer Präsident. Den Kunstschaffenden ist der revolutionäre Nährboden im Anti-Establishment entzogen worden. «Fuck Trump!» genügt nicht. Der aktuelle Protest hat denn auch gar nichts Revolutionäres. Im Gegenteil: Er hat sogar einen etwas restaurativen, rückwärts gerichteten Charakter: Zurück zur Zeit vor Trump. Die protestierenden Kulturtäter brauchen aber eine Vision, die über die Zeit von Trump hinausweist. Es braucht Vorbilder, die diese Vision auch leben. Wie damals. (Stefan Künzli)

Schweiz - EU: Wird der gordische Knoten zerschlagen

Risse im Verhältnis Schweiz - EU hatten sich schon angedeutet, als EU-Kommissions-Präsident Jean-Claude Juncker und Bundespräsidentin Doris Leuthard am 23. November in Bern vor die Medien traten. Eine (voreilig) verteilte Medienmitteilung musste zurückgezogen werden. Juncker hatte die Börsenäquivalenz nicht zugesichert, wie darin stand. Die Risse wurden nach dem Treffen offensichtlich. Die  EU setzte die Schweiz auf eine graue Liste. Und gewährte ihr die Äquivalenz nur befristet.

Dass die EU plötzlich dermassen Druck macht, hängt mit den Brexit-Gesprächen zusammen. Dort wurde eben die zweite Phase gestartet, in der es um die künftigen Beziehungen der EU mit Grossbritannien geht. Sie soll im Oktober 2018 beendet sein. Die EU möchte deshalb die Eckpunkte des institutionellen Rahmenabkommens mit der Schweiz im Vorfeld geklärt haben, weil sie dann Grossbritannien mit einem Benchmark konfrontieren könnte.

Nach der 100-Tage-Schonfrist muss Ignazio Cassis, der neue Aussenminister, ab Anfang Februar mit dem Gesamtbundesrat eine konsistente Strategie entwickeln: Will er vorwärtsmachen mit dem Rahmenabkommen wie bisher? Oder will er ein neues Mandat für ein Schiedsgericht  mit dem Efta-Gerichtshof oder einem internationalen Dreier-Schiedsgericht? Es gibt Chancen, dass die Schweiz und die EU den gordischen Knoten 2018 lösen können. Unter hohem Druck, denn die EU will den Abschluss unbedingt. Das bietet Chancen. Der Bundesrat hält in seinen Jahreszielen fest, er wolle «bei erfolgreichem Verhandlungsergebnis» die Botschaft 2018 verabschieden. Die Regierung braucht Nerven. Dafür wäre es wichtig, dass das Aussendepartement sein Frühwarnsystem verbessert. Die Regierung sollte sich von möglichen weiteren EU-Strafmassnahmen nicht mehr dermassen auf dem linken Fuss überraschen lassen. (Othmar von Matt)

Was löst die Sexismus-Debatte noch aus?

Knapp drei Monate sind seit dem Weinstein-Skandal und dem Anfang der #MeToo-Debatte vergangen. Trotzdem hat es der Begriff in der Schweiz zum Wort des Jahres geschafft und all jene Betroffenen, die ihr Schweigen brachen, als «Person des Jahres» auf die Titelseite des renommierten «Time»-Magazins gebracht. Die #MeToo-Welle ist wuchtig. Längst hat sie die Politik erreicht. In den USA fegte sie bislang drei Abgeordnete weg. In Grossbritannien räumten mehrere hochrangige Politiker ihre Posten, darunter Verteidigungsminister Michael Fallon. In Schweden verschärft die Regierung nun mit dem neuen Einwilligungsgesetz das Sexualstrafrecht. Überall dort hatte die Bewegung Konsequenzen. Und in der Schweiz? Vor kurzem trat der ehemalige CVP-Nationalrat Yannik Buttet wegen einer Stalking-Affäre zurück. Und der «Tages-Anzeiger» berichtete über einen Chefredaktor von Ringier, der seit Jahren und vor aller Augen seine weiblichen Untergebenen belästigt haben soll.

Zu einem Erdbeben wie in anderen Ländern kam es nicht. Man könnte meinen, Sexismus sei in der Schweiz kaum ein Thema. Wären da nicht die vielen Frauen, die in den sozialen Medien ihre Geschichten teilten. Die Debatte droht 2018 «an Kraft zu verlieren, wenn es nicht gelingt, über die tieferen Ursachen zu reden», sagte Bundesrätin Simonetta Sommaruga kürzlich im Interview mit der AZ. So ist es. Aber dafür braucht es mehr mächtige Frauen, die wie Sommaruga hinstehen und Klartext reden.

Es braucht Frauen, die der Debatte mit ihren Erlebnissen, ihrem Engagement ihr Gesicht leihen. Das zeigt der Blick in die USA, nach England oder Schweden. Und es braucht mehr mutige Menschen, die solchen Frauen beistehen, wenn sie angegriffen werden. Damit Frauen wie die Westschweizer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz, die Übergriffe publik machen, nicht mehr diffamiert werden. (Rebecca Wyss)

Macht die Fussball-Nati an der WM den nächsten Schritt?

Viertelfinal – wer immer aus dem Kreis der Schweizer Nati nach dem WM-Ziel 2018 gefragt wird, gibt diese Antwort. Das zeugt von Selbstvertrauen und einem Selbstverständnis, das sich die Schweizer hart erarbeitet haben. Sie sind zum vierten Mal in Folge bei einer WM dabei, was nicht einmal Holland und Italien geschafft haben. Und weil sie 2014 gegen Argentinien und 2016 gegen Polen bei den letzten grossen Turnieren den Vorstoss unter die letzten Acht nur knapp verpassten, ist es legitim, den Viertelfinal als Ziel auszurufen.

Was die Schweiz ist: Ein homogenes Team mit einem sehr guten Trainer, das nur ganz selten unter ein bestimmtes Niveau fällt. Eines, das seine Aufgaben gegen schwächer eingestufte Gegner zuverlässig löst. Eines, das zu fighten versteht, wie im heiklen Barrage-Rückspiel gegen Nordirland zu sehen war.

Was die Schweiz nicht ist: Eine mit Weltklassespielern gespickte Mannschaft (nur Lichtsteiner, Xhaka und Rodriguez spielen aktuell bei absoluten Spitzenklubs) von deutlich überdurchschnittlicher Qualität. Eine mit einem überragenden Knipser. Eine mit diversen starken Leadern, wie die sang- und klanglose Niederlage in Portugal bewiesen hat.
Aus dieser Einschätzung ist in Verbindung mit der schwierigen WM-Gruppe und dem Spielplan zu folgern: Eine Viertelfinalqualifikation ist ein Traum, aber kein realistisches Ziel. Die Schweizer wähnen sich schon lange bereit für den nächsten Schritt. Wort gehalten haben sie nie. In Russland wird es schon schwer genug, zwei Teams aus dem Trio Brasilien, Serbien und Costa Rica hinter sich zu lassen. Will die Schweiz mehr erreichen, muss sie wohl die Gruppe gewinnen, um im Achtelfinal Weltmeister Deutschland aus dem Weg zu gehen. Mit Verlaub: Dafür ist Brasilien ein zu grosser Brocken. (Markus Brütsch)